Stronach hebt ab und hinterlässt eine Partei, die am Boden zerstört ist. - © fotolia
Stronach hebt ab und hinterlässt eine Partei, die am Boden zerstört ist. - © fotolia

Wien. Ein Team ohne Stronach. Das ist die realistische Zukunft der neuen Partei, die mit elf Abgeordneten in den Nationalrat einzieht. Frank Stronach ist am Donnerstag nach Kanada geflogen und wird bis Jahresende - wenn überhaupt - nur sporadisch in Österreich anwesend sein. Grund: Er ist kanadischer Steuerbürger und sein österreichisches Zeitkonto ist durch den Wahlkampf erschöpft. Parteikenner bezweifeln sogar, ob er sein Nationalratsmandat am 29. Oktober wie angekündigt annimmt. Wenn nicht, kann Ex-Miss-World und Event-Managerin im Stronach-Imperium, Ulla Weigerstorfer, nachrücken.

Palastrevolte

Vor seinem Abflug hat Stronach noch kräftig umgerührt und die Parteichefs in Kärnten, Salzburg und Niederösterreich ausgetauscht. Diese Entmachtung lassen sich die Länder aber nicht gefallen. Denn alle drei geschassten Landespolitiker bleiben Landesräte und haben die Basis hinter sich. Sie holen nun zum Gegenschlag aus und stellen Stronachs Statthalterin, Kathrin Nachbaur, die Rute ins Fenster. Wird das Team Stronach, das bisher wie ein Familienbetrieb von Patriarch Stronach geführt wurde, bei einer Sitzung nächsten Mittwoch nicht auf demokratische Beine gestellt, drohen sie mit Abspaltung. Die Länder wollen demokratische Mehrheitsbeschlüsse über Personal- und Programmfragen. Das heißt: Die Partei will eine Art demokratische Firewall gegen diktatorische E-Mails aus Kanada.

Die niederösterreichische Landesrätin Elisabeth Kaufmann-Bruckberger, die per E-Mail abgesägt wurde, ließ im Ö1-Radio die stärkste Kampfansage los. Auf die Frage, ob unzufriedene Stronach-Abgeordnete im Parlament zu ÖVP oder FPÖ überwechseln könnten, sagte sie: "Es fehlen nur fünf Mandate, das kann ich mir durchaus vorstellen." Eine Ansage mit Sprengkraft: Denn ein fliegender Wechsel einer Mehrheit der Stronach-Leute im Parlament würde eine Rechtsregierung von ÖVP und FPÖ ermöglichen.

Das ist aus heutiger Sicht aber unrealistisch, ergab ein Rundruf der "Wiener Zeitung". Robert Lugar, der als Klubchef durch Nachbaur ersetzt wurde und einfacher Abgeordneter wird, sagt: "Das ist Schwachsinn. Das kann ich absolut ausschließen." Der künftige Abgeordnete Leo Steinbichler sagt: "Wir in Oberösterreich waren von den Turbulenzen nicht betroffen, das ist kein Thema."

Auch für Marcus Franz, ärztlicher Direktor des Wiener Hartmann-Spitals ist es "unwahrscheinlich, dass sich der Klub spaltet". Bei der Aussprache rechnet er mit einer gütlichen Lösung.

Die wilde Lindner

Dass der neue Klub aber auch tatsächlich sämtliche elf Mandatare aufweisen wird, die über die Liste Stronach den Sprung ins Parlament geschafft haben, glaubt auch Franz nicht. Ex-ORF-Generaldirektorin Monika Lindner soll, so heißt es, ihr Mandat doch annehmen. Sie soll, das hört man wiederum aus ÖVP-Kreisen, aller Voraussicht nach als wilde Abgeordnete im Nationalrat sitzen.

Selbst wenn Nachbaur die Abgeordneten nicht - wie von ihr bereits versprochen - stärker einbindet und diese fliehen: Wer will sie? In der ÖVP reagiert man äußerst kühl auf die Möglichkeit, dass Stronach-Leute überlaufen könnten. Die Regierungsbildung sei zu ernst für solche Gedankenspielereien.

Und auch in der FPÖ kann man sich nicht wirklich vorstellen, dass ehemalige Freiheitliche, die zwischenzeitlich zum BZÖ gewandert sind und heute bei Stronach sind, den Weg zurück zur FPÖ finden. Wenn doch, ist eine Aufnahme höchst unwahrscheinlich.

Abspaltung in Ländern?

In den Ländern schließt die renitente Landesrätin Kaufmann-Bruckberger für sich einen Wechsel zur ÖVP aus. Am stärkten brodelt es in Kärnten. Dort stehen drei Abgeordnete hinter dem entmachteten Gerhard Köfer. Ohne den vierten, Stronach-Mann Siegfried Schalli, fehlt aber die Klubstärke. Theoretisch könnte man aber einen Art "Klub light" gründen, dafür genügen drei Abgeordnete, wird in der Partei gedroht.

In Salzburg gibt sich der Ex-Parteichef und Landesrat Hans Mayr versöhnlich. Er soll aber intern ähnlich vehement wie Kaufmann-Bruckberger auf Reformen pochen. Er kann es sich Kritik auch am ehesten leisten. Denn im Unterschied zu Kärnten und Niederösterreich hat er den Länderwahlkampf nicht mit einem Darlehen Stronachs finanziert. Durch die Rochade an den Parteispitzen der Länder wachen nun Stronach-Getreue über die Rückzahlung der Darlehen. War "I want my money back" Grund für das Köpferollen? Nachbaur dementiert, sagt aber dazu: "Aus Kanada kommt kein Geld mehr."