Wien. Die "Lugner City" wirkt am Donnerstagvormittag wie ausgestorben. Außer den beiden FPÖ-Funktionären, die den Abgang zu den Kinosälen bewachen, scheint sich um diese Uhrzeit niemand hinein zu verirren. Saal 9 ist dafür brechend voll. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und Generalsekretär Herbert Kickl präsentieren ihre erste Plakatwelle.

"Österreich verdient Fairness - Der rot-schwarze Speck muss weg" lautet ein Hauptsujet. Darunter ein Fahrradfahrer im Österreich-Trikot, auf seinem Gepäckträger ein übergewichtiger Mann in "Refugees welcome"-T-Shirt und Birkenstock-Sandalen. Auf den restlichen Plakaten werden faire Steuern unfairen Erbschaftssteueren sowie ein faires Sozialsystem der unfairen Mindestsicherung gegenübergestellt.

Sehnen nach Gerechtigkeit

Gerecht fände es die FPÖ, wenn die Österreicher die Koalition von Rot und Schwarz losbekämen. Daher ist es Straches Ziel, die Freiheitlichen so stark zu machen, dass sich eine Regierung der beiden Parteien nicht mehr ausgeht. Kommunikationswissenschafterin Desirée Schmuck interpretiert in den Plakaten den Versuch, die Partei FPÖ als regierungsfähig hervorzuheben. Das scheint Kickl zu unterstreichen, als er die Regierungstätigkeit der Freiheitlichen an Seite von Volkspartei in Oberösterreich und SPÖ im Burgenland lobt. Strache reimt indes über den "neuen Schmäh der ÖVP" und witzelt über einen Kanzler, der Pizza statt Lösungen liefert.

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Ulrike Lunacek, führt am selben Tag ihren Outdoor-Wahlkampf fort. Nach der ersten Sujetpräsentation auf dem Ballhausplatz enthüllt sie ihre Plakatkampagne vor der "Strandbar Herrmann" am Donaukanal. Mit dem Generalslogan "Das ist grün" soll sich die Kampagne mit Solidarität, Gleichberechtigung und einem Bekenntnis zu Europa beschäftigen. Und es sei egal, "ob Menschen in Österreich geboren und aufgewachsen sind und schon über Generationen hier leben", oder als Flüchtlinge oder Migranten in Österreich sind, so Lunacek. Die Kampagne sei der Versuch, die medienpräsenten Konflikte der Partei durch Themensetzungen zu ersetzen, erklärt Schmuck die Taktik der Grünen. Ob das mit Sprüchen wie "Sei ein Mann. Wähl eine Frau." und "Europa beginnt in Österreich" gelingt?

Der Perspektivenwechsel