Klimawandel, Verteilung, EU

Konkret nannte Van der Bellen vor allem die Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt. Die Hurrikan-Katastrophen in der Karibik und in den USA, das Abschmelzen der Gletscher und die immer häufigeren Hitzewellen auch in unseren Breiten brächten "viele zum Nachdenken": "Wenn wir so weitermachen, werden unsere Kinder und Enkel nicht mehr wissen, was Schnee ist. Und das wird noch unsere geringste Sorge sein."

Als weitere Herausforderungen nannte der Bundespräsident die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche, die Frage des Stellenwerts von Bildung und Ausbildung und die stetig größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Auch das Thema Migration sprach Van der Bellen an - ein Thema, das die Gesellschaft sicher über die nächste Legislaturperiode hinaus beschäftigen werde und das eben gerade nicht mit "reflexhaften Maßnahmen" zu lösen sein werde: "Die wirklich großen Probleme können wir nur gemeinsam auf europäischer Ebene lösen."

Nicht nur im Kontext mit Flucht und Migration mahnte der Präsident Mitarbeit am "europäischen Projekt" ein. Van der Bellen bewertete auch durchaus explizit die Karten, die Europa im Kontext der globalen Welt- und Wirtschaftspolitik hat.

Europa im Wettbewerb

Die Union, rief Van der Bellen in Erinnerung, beherberge lediglich sieben Prozent der Weltbevölkerung - "bei sinkender Tendenz". "Glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass unser Kontinent seine Bedeutung und sein Mitspracherecht erhöht, wenn er sich wieder in vermeintlich autonomere, noch kleinere nationale Einheiten aufsplittert?" Kein Land sei eine abgeschottete Insel, "nicht einmal Großbritannien", konnte sich das Staatsoberhaupt einen Seitenhieb auf die umstrittene Brexit-Entscheidung nicht verkneifen.

Die Wähler sollten "Zeit investieren", um sich tiefer und inhaltlich über die Vorhaben der Parteien zu informieren. Erst dann solle man entscheiden, "welcher der wahlwerbenden Parteien Sie am ehesten zutrauen, sich dieser Themen anzunehmen."

Für den teils harten und bisweilen untergriffigen Ton im Intensivwahlkampf zeigte der Präsident zwar Verständnis, forderte aber von den Parteien, im Interesse Österreichs über den 15. Oktober eine intakte Gesprächs- und Verhandlungsbasis zu bewahren. Auf die Wahlkampf-Misstöne angesprochen, verwies Van der Bellen auf Wahlplakate aus der Frühzeit der Republik: diese seinen "an demagogischen Untergriffen auch nicht gerade arm" gewesen.

Reaktionen der Parteien gab es auf Van der Bellens Rede übrigens - keine. Einzig die Spitzenkandidatin der Grünen, Ulrike Lunacek, nahm auf Twitter Bezug auf den Appell des Präsidenten und zitierte aus dessen Rede.