So weit, so sinnvoll, meinen auch Wifo-Pflege-Expertin Ulrike Famira-Mühlberger und Kai Leichsenring, Wissenschafter und Executive Director beim "European Centre for Social Welfare Policy and Research". Es ist aber auch ein Punkt, an dem sich zeigen lässt, dass das Mehr an Leistung die Steuerzahler mehr belasten könnte, als die FPÖ angibt.

Neue Genossenschaft

Im Programm sind allerdings auch die jährliche Valorisierung des Pflegegelds, ein Ausbau der stationären Einrichtungen und eine bessere Bezahlung für medizinische und Pflegeberufe notiert. Hofer ergänzt das um eine Bundesgenossenschaft für Pflege und Betreuung, die die FPÖ schaffen will. In diese solle nicht nur die aktuelle mobile Pflege, sondern auch die 24-Stunden-Betreuung inkludiert werden. Denn das sei laut Experten keine selbständige Tätigkeit, sagt Hofer: "Wenn es zu einer Klage auf Anstellung kommt, wird das sehr teuer."

Teuer dürfte aber auch die Anstellung der 24-Stunden-Betreuer werden. 2014 waren knapp 70.000 selbständige Personenbetreuer in Österreich gemeldet. Aktuell sind es meist zwei, die sich die Arbeit bei einem zu Pflegenden teilen. Da bei Angestellten aber das Arbeitsgesetz gilt, müsste sich die Anzahl auf drei bis vier erhöhen. Bei einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 2150 Euro monatlich für "Heimhelferinnen, von dem man zumindest ausgehen müsste", wie Kai Leichsenring erläutert, kostet alleine die Anstellung 3,2 bis 4,2 Milliarden Euro jährlich. Und: "Man müsste erst mal so viele Pflegekräfte finden", sagt Leichsenring.

Unterschätzte Kosten

Hofer geht zwar von einer Steigerung der Pflegekosten von derzeit 1,3 auf 3,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Das Wifo aber prognostizierte ohne teure Systemänderung ein Plus von 360 Prozent auf neun Milliarden Euro bis 2050 der öffentlichen Kosten. "Das ist ein falscher Wert", meint Hofer. "Das klingt nach viel", sagt dagegen Famira-Mühlberger: "Tatsächlich sind wir von einer Kostensteigerung um zwei Prozent jährlich ausgegangen, weit weniger hoch als sie in den vergangenen Jahren tatsächlich war." 2015 gaben die Bundesländer zum Beispiel im Durchschnitt um 6,8 Prozent mehr für Pflege aus als im Jahr davor.

Hofer geht aber ohnehin nicht davon aus, dass alles, was die FPÖ jetzt ankündigt, Bestand haben wird: "Wir werden uns nach den Regierungsverhandlungen nicht hinstellen und sagen, wir haben alle unsere Punkte umgesetzt. Wir werden unsere Arbeit nicht mit einer Lüge beginnen." Korrekturen hat die FPÖ übrigens schon im Vergleich zum vor kurzem präsentierten Wirtschaftsprogramm vorgenommen. Da war noch von 1700 Euro Mindestlohn die Rede, nun sind es 1500 Euro.