Wien. TV-Duelle und Interviews, Elefantenrunden und sonstige Sondersendungen: Noch nie gab es in Österreich vor einer Wahl eine solche Masse an Fernsehterminen. An manchen Tagen gibt es bis zu drei Sendungen. Nachdem am vergangenen Montag Puls 4 den Duellreigen eröffnete, steigen am Dienstag erstmals die Kandidaten im ORF in den TV-Ring: Norbert Hofer trifft als "FPÖ-Joker" auf Ulrike Lunacek (Grüne). Die "Wiener Zeitung" befragte Meinungsforscher und Politikexperten über die Rolle der TV-Duelle im Wahlkampf.

Am wichtigsten sei es bei einem TV-Duell, keine Fehler zu machen, so der allgemeine Tenor der Befragten. "Ein TV-Duell kann leichter verloren als gewonnen werden - etwa, wenn einem Kandidaten etwas Blödes herausrutscht", sagt Eva Zeglovits, Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstitutes Ifes. Zeglovits verweist dabei auf das unmoderierte TV-Duell zwischen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen im Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016. Van der Bellen hatte Hofer mit den Händen damals einen Scheibenwischer gedeutet. Er war dafür heftig kritisiert worden.

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Der Politikberater Thomas Hofer wiederum bringt den berühmt-berüchtigten Satz von Norbert Hofer ins Spiel: "Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist." Dieser eine, in einer TV-Diskussion geäußerte Satz sei imagebildend gewesen und habe Hofer bei der Wahl geschadet. "Ein wesentlicher Fehler in einem Duell wird in der Sekundärberichterstattung groß aufgeblasen - auch, wenn es sich um ein Duell handelt, das nicht die meisten Zuschauer hat."

Der Mobilisierungseffekt

Natürlich könne es die eine oder andere Überraschung geben, ergänzt Wolfgang Bachmayer, Geschäftsführer des Meinungsforschungsunternehmens OGM. Durch die Erfahrenheit und das TV-Training würden es die Kandidaten aber größtenteils vermeiden können, Fehler zu machen und in die Fallen ihrer Gegner zu tappen.

Passiere in den TV-Duellen aber nicht Überraschendes, würde sich in der Regel weniger verschieben als gemeinhin erwartet. "Die Duelle dienen in erster Linie der Bestätigung der eigenen Anhänger wie auch jener der Gegner", sagt Bachmayer. Das sei auch wichtig: Man müsse die eigene Wählerschaft mobilisieren und abholen.

"Einem Kandidaten muss schon ein echter Fehler unterlaufen, damit die schon mobilisierten Wähler auf der eigenen Seite von einem ablassen", sagt der Politikberater Thomas Hofer. Aber Demobilisierung sei schon passiert, etwa wenn jemand besonders schlecht gewesen sei.