Neben der Mobilisierung der eigenen Wähler versuche man auch, Unentschlossene anzusprechen - oder Wähler, die sich zwischen zwei Parteien noch nicht entschieden hätten, sagt Zeglovits. "Die Forschung hat gezeigt: Es geht darum, Präferenzen zu stärken oder zu drehen." Unterschiedlich seien aber die Befunde, in welcher Quantität das den Parteien gelinge.

Besonders groß sei die Hebelwirkung aber bei den Unentschlossenen und bei jenen, die sich grundsätzlich nicht so sehr für Politik interessieren würden, so Zeglovits.

Die Nachbereitung der Duelle halten die Befragten allesamt für äußerst bedeutend. "Da geht es natürlich auch um die Deutungshoheit. Die ist durch die sozialen Medien viel bunter geworden", sagt Zeglovits. Oft sei die Nachbereitung wichtiger und bedeutender als die Performance des Kandidaten - außer, es passiere so ein herausragender Fehler, dass das Duell für sich alleine stehe, meint Hofer. "Das Match wird oft erst danach entschieden."

Hohe Zuschauerzahlen

Auch Bachmayer betont, dass die Nachberichterstattung oft von höherer Bedeutung als die Duelle selbst sind: "Es können und wollen gar nicht so viele Menschen bei den Duellen zuschauen." Durch die Berichterstattung oder persönliche Gespräche würden aber viele Menschen dann von dem Duell erfahren.

"Die TV-Duelle haben, obwohl sie immer mehr und vielfältiger werden, hohe Zuschauerzahlen", sagt Eva Zeglovits, Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstitutes Ifes. Bisher habe es geheißen: "Wenn man zu viele macht, werden die Zahlen einbrechen." Das habe sich aber bis jetzt nicht bewahrheitet, sagt Zeglovits. Die Diskussion zwischen Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Ulrike Lunacek (Grüne) auf Puls 4 sahen durchschnittlich etwa 314.000 Menschen. Durch die vielen Duelle drohe allerdings auch eine Übersättigung: "So, wie wenn man zu viel gegessen hat", sagt Bachmayer.

Hofer erwartet sich in den kommenden Duellen "keinen zweiten Stronach" - also jemanden, der sich im negativen Sinne in den Duellen wegschieße. "Sowohl Kern, Kurz und Strache sind nicht diejenigen, die das Format gar nicht können." Aufgrund dessen, was er bisher an Vorstellungen gesehen habe, werde es für Kern und Strache an großer Front schwierig werden, Kurz komplett ausrutschen zu lassen. Auch wenn Kurz seine verwundbaren Punkte habe: "Der kann mit 31 nicht komplett sein."

Bachmayer sieht in den TV-Duellen für Christian Kern aufgrund seiner telegenen Art eine "Restchance, etwas an Boden gutzumachen".