Wien. Kreditkarten willkommen. Wer Bundeskanzler Christian Kern für den Wahlkampf online 10 Euro spendet, finanziert damit 300 Flyer. Mit 500 Euro geht sich ein mobiles Callcenter für einen Tag aus. Unterstützer von ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz können mit 10 Euro 250 Infofolder sponsern, mit 500 Euro "ein kleines Event", heißt es auf der ÖVP-Homepage.

Inserate, Plakate, Werbeagenturen, zusätzliches Personal: Der Kampf um Wählerstimmen geht ins Geld, und Online-Fundraising ist auch eine Möglichkeit, um die Kassen aufzufüllen. Wobei Kurz damit weitaus erfolgreicher ist als Kern. In seinem "Klingelbeutel" trudeln laufend Spenden ein - viele kleine, aber auch etliche Großspenden mit fünfstelligen Beträgen. Name und Spendenhöhe werden - getrennt nach Beträgen bis 3500 Euro (nur nach Einwilligung) und ab 3501 Euro - auf der Homepage veröffentlicht.

Die SPÖ forciert diese Art der Mittelaufbringung nicht, zumal sie "keine Spendenpartei" ist, wie es in der Parteizentrale heißt. Die SPÖ nimmt keine Spenden über 20.000 Euro an und veröffentlicht auch keine Namen. Die FPÖ betreibt auch kein aktives Spendensammeln und will generell keine Großspenden haben. Die im internationalen Vergleich großzügige Parteienförderung sei ausreichend, und man wolle nicht noch zusätzlich bei den Steuerzahlern "schnorren", sagt FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl auf Anfrage.

Heuer erhalten die Parteien rund 209 Millionen an staatlicher Förderung. Bundes- und Landesebene zusammengerechnet, bekommen die ÖVP mit 57,4 Millionen und die SPÖ mit 55,2 Millionen Euro am meisten. Die FPÖ kann sich über 43,6 Millionen Euro freuen.

Grüne gegen "Spendenkeilerei"

Die Grünen sind gegen "Spendenkeilerei" im Wahlkampf und fordern, dass Unternehmensspenden generell verboten werden. Privat-Spenden sollten auf 10.000 Euro pro Person und Jahr begrenzt werden. Derzeit müssen Parteien Spenden ab 3500 Euro pro Spender und Jahr in ihrem Rechenschaftsbericht namentlich offenlegen. Einzelspenden von über 50.000 Euro müssen unverzüglich als Großspende an den Rechnungshof gemeldet werden, der diese online veröffentlicht. Die Offenlegung kann jedoch durch Stückelung in mehrere Einzelbeträge umgangen werden. Es brauche klare und schärfere Regeln, so der Klubobmann der Grünen, Albert Steinhauser. Ansonsten drohe Österreich eine "Amerikanisierung" der Wahlkämpfe. Es haben etwa Pharmaunternehmen im vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf hohe Spenden gezahlt. Nach der Wahl sei dann das Thema der Kostensenkung auf Medikamente verschwunden gewesen.