Die FPÖ Landstraße genießt einen besonderen Ruf in Wiens blauer Familie. - © Philipp Hutter
Die FPÖ Landstraße genießt einen besonderen Ruf in Wiens blauer Familie. - © Philipp Hutter

Wien. Korrekt ist die FPÖ. Korrekt und höflich. In letzter Zeit sogar ein bisschen staatstragend. Doch damit hat sich das Lob der politischen Konkurrenz für die Freiheitlichen im 3. Bezirk auch schon erschöpft.

"Sie sind schon extrem", lautet der Tenor aus dem Bezirksparlament. Die FPÖ Landstraße genießt einen besonderen Ruf. Ihre Anhänger sind die Enfants terribles in Wiens blauer Familie. Während sich die FPÖ-Führung im artigen Auftritt versucht, um die breite Masse von der eigenen Regierungsfähigkeit zu überzeugen, verfolgt man in der Landstraße unbeirrt den Kurs der missverstandenen "Einzelfälle".

Vor der Wahl bespielt die FPÖ Landstraße ihre Wähler beim bezirkseigenen Oktoberfest am Kardinal-Nagl-Platz. - © Philipp Hutter
Vor der Wahl bespielt die FPÖ Landstraße ihre Wähler beim bezirkseigenen Oktoberfest am Kardinal-Nagl-Platz. - © Philipp Hutter

Da wird schon einmal vor Flüchtlingskindern vor einem Asylheim demonstriert, mit NS-ähnlicher Rhetorik auf der eigenen Homepage informiert oder gegen die Benennung einer Schule nach dem verstorbenen NS-Opfer Friedrich Zawrel mobilgemacht. Manchmal marschiert man sogar mit Rechtsextremen auf deren Veranstaltungen mit.

Sind das Einzelfälle? Oder ist die FPÖ Landstraße tatsächlich radikaler als andere blaue Bezirksparteien? Und gibt sie gar die ideologische Stoßrichtung in der Partei vor?

"Wir sind alles andere als radikal. Anderslautende Meinungen der politischen Konkurrenz sind vor allem im Wahlkampf nicht wirklich überraschend, interessieren uns aber herzlich wenig. Wir scheuen uns jedoch nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. Beschwerden, die uns Bezirksbewohner aus Angst vor Nachteilen oft nur hinter vorgehaltener Hand und unter Zusicherung der Anonymität zutragen, bringen wir zum Ärger der rot-grünen Schönfärber an die Öffentlichkeit. Das gefällt natürlich nicht jedem", nimmt Dietrich Kops, der geschäftsführende Bezirksobmann der FPÖ Landstraße und Gemeinderat, via E-Mail Stellung.

Offiziell dürfen die freiheitlichen Bezirksräte für diesen Artikel mit der "Wiener Zeitung" nicht sprechen. Das hat ihnen die Pressestelle der Partei untersagt. Alle Fragen werden zentral geregelt. Zu heikel sei der aktuelle Wahlkampf, lassen einige wissen. Schließlich ist die Landstraße nicht irgendein Bezirk. Es ist der Heimatbezirk des FPÖ-Obmanns Heinz-Christian Strache.

Jüngster Bezirksparteiobmann der FPÖ

In der Keinergasse, nahe der U3-Station Kardinal-Nagl-Platz, ist der Parteichef aufgewachsen. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr hat er hier gelebt. Dann hat ihn seine Mutter, eine alleinerziehende Drogistin, ins Internat geschickt hat. Heute weiß jeder in der Gasse um den politischen Promi. Man kennt seine Mutter, ihr Stammlokal, grüßt sie, plaudert mit ihr – über alles, nur nicht über den Sohn. Das gehört sich nicht. Der guten Nachbarschaft wegen.