Wien. "Ein Sammelbecken für ausgeschlossene, enttäuschte und realitätsfremde Politiker." So bezeichnet Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger den FPÖ-Ableger FLÖ, was so viel bedeutet wie Freie Liste Österreich. Urheber dieser Liste ist Karl Schnell, einst Landesparteichef der Salzburger FPÖ, der 2015 von Heinz-Christian Strache aus der FPÖ ausgeschlossen wurde und daraufhin die Freie Partei Salzburg gründete.

Beiderseitige Entfremdung

Spitzenkandidatin der FLÖ ist Barbara Rosenkranz. Sie sieht sich nicht als realitätsfremd, sondern will Alternativen zur derzeitigen Politik bieten, wie sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" sagt. Warum hat die ehemalige FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidatin - Rosenkranz hat 2010, als Heinz Fischer zum zweiten Mal mit fast 80 Prozent im ersten Durchgang gewählt wurde, 15,2 Prozent geholt - sich von der FPÖ getrennt und ist zu Schnell übergewechselt?

Sie kenne Schnell schon lange, schließlich seien sie beide Landesparteichefs gewesen, Schnell in Salzburg, Rosenkranz in Niederösterreich. Und es habe zwischen der FPÖ und ihr eine Entfremdung stattgefunden, sagt sie. Die Freiheitlichen hätten sich in jüngerer Vergangenheit erstens immer mehr in Richtung Mehrheitsmeinung entwickelt und zweitens dahin, "wo sie hoffen, dass sie von der ÖVP in Gnaden aufgenommen werden".

Dieses Anbiedern der FPÖ an die ÖVP ist für Rosenkranz auch ein inhaltliches Problem. Sie verweist etwa auf das Wirtschaftsprogramm der FPÖ, das in ihren Augen eine "neoliberale Vorleistung auf eine schwarz-blaue Regierung" ist. Als Beispiel nennt sie die im FPÖ-Programm angeführten Einsparungen von fünf Milliarden Euro im Gesundheitswesen. Bedenke man, dass die Gesundheitsausgaben pro Jahr um sieben Prozent steigen, wäre das "eine Gigantenleistung". "Der Vorschlag ist entweder im höchsten Ausmaß unseriös oder man erklärt, dass man einen gesundheitspolitischen Kahlschlag vorhat." Denn nur wenn man die Gesundheitsleistungen drastisch einschränke, seien Einsparungen in solcher Höhe machbar.

Keine Pensionsautomatik

Einen "zweiten Kahlschlag" ortet Rosenkranz im Ansinnen der FPÖ, das Pensionsalter automatisch an die steigende Lebenserwartung anzupassen. Ein höheres gesetzliches Pensionsalter sei gerade für Menschen mit geringerem Einkommen in körperlich anstrengenden Tätigkeiten unmöglich zu erreichen. "Das ist ein ganz übler Anschlag auf jene, die schon jetzt unter der Altersarmut leiden."