Wien. Nach den Enthüllungen in der Causa Silberstein scheint die SPÖ nun eine neue Strategie einzuschlagen. Wenn der Skandal schon nicht mehr einzufangen ist, so will man dabei zumindest wieder den (medialen) Takt vorgeben, so der Eindruck. Schließlich ist Angriff die beste Verteidigung.

Man werde den Vertrag mit dem umstrittenen PR-Berater Tal Silberstein eher nicht offenlegen, sagte Christoph Matznetter, interimistischer SPÖ-Bundesgeschäftsführer und Chef der parteiinternen Task Force zur Aufklärung der Affäre, noch am Mittwoch. Am Donnerstagnachmittag lud Matznetter dann doch zu einer Pressekonferenz - und legte den Beratervertrag wie auch die Ergebnisse der von der SPÖ beauftragten Wirtschaftsprüfer Merkur Control offen. Eines vorweg: was darin zu lesen ist, könnte SPÖ-Spitzenkandidat und Kanzler Christian Kern in den kommenden Tagen in Erklärungsnot bringen.

Video: SPÖ legt Silberstein-Vertrag offen

Aus dem veröffentlichten Bericht geht nämlich klar hervor, dass Tal Silberstein nicht ausschließlich für die Analyse von Datenmaterial und Fokusgruppen engagiert wurde, so, wie Christian Kern die Zusammenarbeit mit dem PR-Berater darstellt.

Rechtliche Schritte angedacht

"In Summe arbeiten wir in strategischer Hinsicht in allen Bereichen des Projekts mit", zitiert der Bericht die Vereinbarung zwischen Silbersteins Firma GCS und der Bundespartei vom 1. Jänner 2017. Die Liste der danach angeführten Bereiche umfasst nicht nur "qualitative und quantitative Meinungsforschung und Analyse" oder "Medienmonitoring", sondern auch "strategische Planung und Medienberatung", "Schaffung und Management von War Rooms für die Wahl", "Gründung und Betreiben von Teams für die Oppositionsforschung" sowie "Training von Personal". Ganz klar mehr als nur die von Kern zitierte Arbeit mit Daten und Fokusgruppen.

Krisenmanager Matznetter aber sieht im vorliegenden Vertrag nur eine "normale Agenturtätigkeit", für die verdeckten Facebook-Kampagnen gegen ÖVP-Chef Sebastian Kurz sieht er Tal Silberstein keinesfalls legitimiert: "Weder im Vertrag noch in den Rechnungen oder Zahlungen gibt es Hinweise darauf", sagt Matznetter.

Insgesamt 536.000 Euro, das geht aus dem Vertrag hervor, bezahlte die SPÖ an Silberstein. Darin inkludiert waren auch 40.000 Euro für die Beratung der SPÖ Niederösterreich, die die Bundespartei ihrer Landesorganisation weiterverrechnet. 75.500 Euro, also jener Teil von Silbersteins Honorar, das auf den Zeitraum nach der Vertragsauflösung am 16. August des laufenden Jahres entfällt, wurde von der SPÖ bereits von Silberstein zurückgefordert. Insgesamt belaufen sich die Rückforderungen der SPÖ auf 131.250 Euro. Mit Silberstein verkehre man inzwischen ausschließlich auf dem Postweg, Gespräche oder ein Zusammentreffen zwischen SPÖ-Verantwortlichen und Silberstein habe es seit dessen Vertragsende nicht gegeben, sagte Matznetter. Ein Brief mit der ersten Rückforderung sei bereits abgeschickt worden, einen weiteren würde er, Matznetter, zusammen mit der ebenfalls mit der Causa betrauten Andrea Brunner in den nächsten Tagen abschicken. Ursprünglich sollte Silberstein übrigens nur bis Ende September 2017 für die SPÖ arbeiten, zur Verlängerung bis Ende Oktober kam es erst nach Ausrufung der vorgezogenen Neuwahlen, betont der SPÖ-Krisenmanager.