Wien. Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern hat am Samstag eingeräumt, dass die Rücktrittsforderung seines neuen Bundesgeschäftsführers Christoph Matznetter an ÖVP-Obmann Sebastian Kurz der Emotion geschuldet war. Im Ö1-Journal zu Gast sprach Kern mit Blick auf die vergangenen Wahlkampf-Tage von "Irrsinn", und die SP habe ihren Anteil, aber auch die VP könne ihre Hände nicht in Unschuld waschen.

Die rote Wahlkampagne sei "systematisch" verkauft worden, insofern sei es logisch, dass die Emotionen hochgehen und man zugespitzt formuliere, meinte Kern auf die Rücktrittsforderung von Matznetter angesprochen. Die SPÖ habe ihren Anteil an den Vorgängen gehabt, aber auch die ÖVP könne ihre Hände nicht in Unschuld waschen. Jetzt müssten beide Parteien schauen, dass sie der Politik und der Demokratie nicht weiter Schaden zufügen, so der Kanzler. Beide Parteien sollen nun vom Tempo runter und zu einem vernünftigen Umgang miteinander zu kommen. Was die Vorwürfe betrifft, habe man eine Klage am laufen, die Gerichte seien am Zug.

Silberstein zu engagieren, war ein Fehler 

Mit dem inzwischen gefeuerten Berater Tal Silberstein habe er selbst Anfang August zum letzten Mal Kontakt gehabt, erklärte Kern. Es sei ein Fehler gewesen, ihn zu engagieren, wenngleich Silberstein nicht für Dirty Campaigning beauftragt worden sei.

Einmal mehr kritisierte Kern die von Medien und Politik befeuerte "unglaubliche Populismusspirale". Generell bereue er seinen Schritt in die Politik aber auch nach den politischen Vorgängen der vergangenen Tage nicht, im Gegenteil: "Das motiviert mich eher." Auch um die SPÖ müsse man sich keine Sorgen machen, die Unterstützer seien "voller Euphorie" und in der Löwelstraße habe man ein exzellentes Wahlkampfteam sitzen. Mit der Frage, ob er auch bei einem dritten Platz für die SPÖ in der Politik bleiben würde beschäftige er sich nicht, hielt er fest.

Die Freiheitlichen betonten in einer Aussendung, dass Kern die Hauptverantwortung für die "Affäre Silberstein" trage. Die Erklärungsversuche der SPÖ-Spitze dazu seien "einfach nur armselig und lächerlich", kritisierte Generalsekretär Herbert Kickl. Er will aber auch die Rolle der ÖVP näher betrachtet wissen, da das Umfeld von ÖVP-Chef Kurz offenbar von Beginn an über jeden Schritt des SPÖ-Teams informiert gewesen sei.

"Schweigegeld-Affäre"

Die SPÖ hat sich am Samstag von Kommunikationsberater Rudi Fußi distanziert, der in der Vergangenheit Reden für Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern schrieb und in der Dirty Campaigning-Affäre um den SPÖ-Berater Tal Silberstein eine "Kronzeugin" unter Druck gesetzt haben und "Schweigegeld" geboten haben soll. Die SPÖ betonte, es gebe keine vertragliche Verbindung zwischen der Partei und Fußi.

"Mit Entsetzen mussten wir heute lesen, mit welchen Methoden" Fußi gegen die ehemalige Mitarbeiterin von Tal Silberstein vorgegangen ist, meinten die neuen SPÖ-Bundesgeschäftsführer Andrea Brunner und Christoph Matznetter in einer Aussendung. Solche "Einschüchterungsversuche" seien "unentschuldbar und keinesfalls im Sinne der SPÖ". Fußi sei weder Parteimitglied, noch stehe er in einem Auftragsverhältnis zur SPÖ.

Die SPÖ habe über ihren Anwalt die Dolmetscherin zur Kooperation eingeladen, um die Ereignisse rund um geleakte Mail-Korrespondenzen, Konzepte und Dokumente aus dem Wahlkampf aufzuklären. "Wir werden jedenfalls in aller Ruhe und Konsequenz in Zusammenarbeit mit den Behörden zu einer vollständigen Aufklärung beitragen", erklärten Brunner und Matznetter.