Kritik an Rausschmiss der "Junge Grüne"

Eher desaströs gestaltete sich der Vorwahlkampf für die Grünen. Nach dem Abgang von Bundesgeschäftsführer Stefan Wallner per Jahreswechsel warf Mitte Mai Langzeit-Parteichefin Eva Glawischnig das Handtuch. Dem vorangegangen waren tiefe innere Verwerfungen in der Partei: So gab es Kritik am ausbleibenden Umfrage-Aufschwung nach der Bundespräsidentenwahl, aber auch einen heftigen Konflikt mit den Jungen Grünen, der schließlich in deren Rausschmiss aus der Bundespartei gipfelte.

Nach der Übernahme der Bundessprecherin-Funktion durch Ingrid Felipe und der Nominierung von Ulrike Lunacek als Spitzenkandidatin zog dann beim Bundeskongress Ende Juni neues Unheil herauf: Sicherheitssprecher Peter Pilz unterlag bei der Kampfabstimmung um den vierten Bundeslistenplatz dem jungen Abgeordneten Julian Schmid. Pilz sammelte daraufhin seine engsten Mitstreiter um sich und verkündete nach längerem Zögern das Antreten mit einer eigenen Liste - ein Schritt, der wohl primär den Grünen schaden dürfte, auch wenn Pilz beteuerte, in anderen Teichen um Wählerstimmen fischen zu wollen. Inhaltlich wich Pilz vor allem beim Thema Islam deutlich von seiner Ex-Partei in Richtung rechts ab. In sozialen Fragen gab er sich hingegen links; eine Zusammenarbeit mit der FPÖ schloss er dezidiert aus.

Grüne brechen ein, Pilz hat gute Chancen

Glaubt man den Umfragen, leiden die Grünen allerdings massiv unter der Entwicklung, in den Erhebungen wird der Öko-Partei mittlerweile nur mehr ein Ergebnis klar unter zehn Prozent prognostiziert. Allerdings muss sich Lunacek - glaubt man den aktuellen Umfragen - entgegen einem zwischenzeitlichen Tief nun zumindest keine Sorgen mehr um einen Wiedereinzug der Grünen machen. Der "Liste Pilz" attestieren die Umfragen durchaus - wenn auch knappe - Chancen auf einen Nationalratseinzug.

Früh in den Vorwahlkampf eingestiegen waren die NEOS. Bereits am 1. Juni setzte Parteichef Matthias Strolz in Wien zu einer großen Grundsatzrede an. Weitere Aufmerksamkeit brachte dann Anfang Juli die Entscheidung von Ex-Bundespräsidentschaftskandidatin Irmgard Griss, auf einem NEOS-Ticket zu kandidieren. Laut Umfragen würden die NEOS etwa bei ihrem Resultat aus dem Jahr 2013 bleiben, der Nationalrats-Einzug ist damit möglich. Strolz' Paradethema ist die Bildung sowie seine Ankündigung, ein "pinker Stachel" im Fleisch der Regierung sein zu wollen.

Allen drei "kleinen" Parteien ist gemeinsam, dass sie - wie wohl auch die FPÖ - von den Querelen rund um die Facebook-Affäre profitieren könnten.