Wien. Nichts geschenkt haben sich die Spitzenkandidaten von SPÖ, Christian Kern, und ÖVP, Sebastian Kurz beim ersten direkten Aufeinandertreffen am Sonntagabend auf "Puls 4". Heftige Wortgefechte lieferten sich die Noch-Regierungspartner nicht nur beim Thema Dirty Campaigning, sondern auch bei der Migration oder ihren Steuermodellen.

Gleich eingangs und dann für 20 Minuten widmete sich die Diskussion dem von der SPÖ inzwischen gefeuerten Berater Tal Silberstein. Kurz bekräftigte hier seine Forderung nach einem Straftatbestand für Dirty Campaigning, damit sowohl die Ersteller von falschen Inhalten als auch die Auftraggeber zur Rechenschaft gezogen werden können.

Video: Heftiges Duell zwischen Kern und Kurz.

Kern unterstützt diesen Vorschlag und sah auch den neuen ÖVP-Chef in der Verantwortung für die aktuelle Situation. Der Kanzler verwies hier auf ein aufgetauchtes Strategiepapier aus dem Umfeld von Kurz. Auch habe dieser seit Monaten versucht, die aktuelle Regierung "zu zerstören". Kern zeigte sich auch sehr verärgert über einen Blogger und Wirtschaftsbundmitglied - dieser prahle damit, dass er Kerns Ehefrau observiert habe. Der SPÖ-Chef forderte Kurz auf, diesen aus der ÖVP auszuschließen.

Kurz erklärte sich für den Blogger nicht zuständig und zeigte sich viel eher verärgert darüber, dass die SPÖ nicht ehrlich sage, sie habe mit Tal Silberstein jemanden ins Land geholt, der Weltmeister im Dirty Campaigning ist. Kern kritisierte, Kurz würde versuchen, zur Ablenkung eine "Nebelwand" aufzubauen und betonte, Silberstein sei nicht für Dirty Campaigning bestellt und bezahlt worden. "Der wird das nicht ehrenamtlich gemacht haben", warf Kurz ein und erntete Gelächter im Studio. Der Kanzler zeigte sich zunehmend genervt von der Debatte und forderte, über wichtige Themen reden zu können.

Kampf gegen illegale Migration

Viel freundlicher wurde es auch bei der Migration nicht. Kern erklärte, das Ziel sei, die illegale Migration zu begrenzen. Diejenigen die bereits im Land sind, sollten dann die Möglichkeit haben, sich zu integrieren. Die Lösungen sollten dabei auf europäischer Ebene vorangetrieben werden, so der Kanzler weiter. Kurz räumte ein, dass im Europäischen Rat viel beschlossen wurde - nachdem er Druck gemacht habe. "Man muss einiges aushalten, wenn man entschlossen seine Positionen durchsetzen möchte. Ich habe Willen und Kraft bewiesen und werde diesen Weg weitergehen, sollten wir gewählt werden."