"Wiener Zeitung": Wie wird die österreichische Nationalratswahl in der Slowakei wahrgenommen?

Magda Vásáryová: Das ist das große Problem: Überhaupt nicht. Ich werde selber etwas darüber schreiben müssen, sonst weiß hier niemand, dass diese Wahl überhaupt stattfindet.


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Wie kann das sein? Bratislava liegt doch nur 50 Kilometer von Wien entfernt.

Über die österreichische Präsidentschaftswahl wurde viel berichtet und diskutiert. Zeitungen und Fernsehen haben erklärt, worum es geht, da waren die Slowaken ziemlich gut informiert. Ein Grund für das jetzige fehlende Interesse ist die Parlamentswahl in Tschechien am 20 und 21. Oktober. Da hat ein gewisser Andrej Babi Siegesschancen. Einer, der durch die Privatisierungen der Meciar-Ära reich geworden ist. (Vladimir Meciar war in den 90er-Jahren umstrittener Premier der Slowakei). Den kennen wir sehr gut. Es ist aber auch so, dass sehr wenige Slowaken nach Wien eingeladen werden, um über die politische Lage zu berichten.

Wieso "eingeladen"?

Zu Pressekonferenzen, zu politischen Diskussionen.

Da hat sich aber einiges zum Schlechteren verändert. Ich erinnere an die Nachbarschafts-Euphorie 2004, als es um "Twin City" Bratislava und Wien ging, um gemeinsame Projekte und Kooperationen.

Das Projekt "Twin City" ist tot. Es kommen viele Österreicher nach Bratislava, aber in die andere Richtung hapert es. Das ist vielleicht auch unser Fehler, aber es gibt kaum Informationen, was in Österreich vor sich geht. Wien besteht für die die meisten Slowaken aus dem Flughafen Schwechat. Viele arbeiten in Wien, aber es gibt keine enge Zusammenarbeit auf politischer Ebene. Es ist wie eine Einbahnstraße.

Hat vielleicht die sogenannte Flüchtlingskrise zur Entfremdung beigetragen? Zumindest sporadisch gibt es wieder Grenzkontrollen und die Slowakei gilt als unsolidarisch, weil sie keine Flüchtlinge aufnehmen will.

Von Grenzkontrollen bemerke ich kaum etwas. Aber unsere Haltung in der Flüchtlingsfrage ist für mich schmerzhaft. Wir sagen immer, dass wir Christen sind, aber wir handeln nicht in diesem Sinne. Unsere Politiker haben Flüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge in einen Topf geworfen: Alle sind Muslime und alle sind Terroristen: Das war ein Fehler.