Kanzlerduell? Das versuchen Strache und Kurz im TV-Duell dem Publikum zumindest zu suggerieren. - © apa/Georg Hochmuth
Kanzlerduell? Das versuchen Strache und Kurz im TV-Duell dem Publikum zumindest zu suggerieren. - © apa/Georg Hochmuth

Die Eingangsfrage von ORF-Moderator Tarek Leitner, "Sitzt hier die nächste große Koalition am Tisch?", bleibt zwar unbeantwortet. ÖVP-Außenminister und -Spitzenkandidat Sebastian Kurz reduziert stattdessen in der TV-Konfrontation mit FPÖ-Klubobmann Heinz-Christian Strache das Kanzlerduell bei der Wahl am 15. Oktober auf sich und sein Gegenüber: "Die Entscheidung wird sein, ob Herr Strache Bundeskanzler wird, oder ob ich das Land führen darf." Der Versuch, Bundeskanzler Christian Kern und die SPÖ verbal aus dem Rennen zu kicken.

Die Taktik im Miteinander ist dann nicht, mit Inhalten zu punkten — da sind sich beide Parteien ohnehin weitgehend eins. Es geht beiden darum, sich trotz aller Einigkeit als erster, als wahrer, als einziger möglicher Problemlöser darzustellen. Strache betont folglich einmal mehr, dass Sebastian Kurz als Integrations- und Außenminister sieben Jahre lang zu wenig Mut bewiesen habe, um seine heutige Linie durchzusetzen — die von ihm sogenannte "illegale Zuwanderung nach Österreich", also den Versuch von Asylsuchenden im hierzulande Schutz zu finden, endgültig zu stoppen.

Taferlklassler

Kurz kontert mit vordergründigem Lob: "Heinz-Christian Strache ist wirklich gut darin, Probleme aufzuzeigen und zu plakatieren." Die Führungsrolle bei der Problemlösung beansprucht er aber sogleich für sich selbst: "Sollte ich gewählt werden, werde ich in all diesen Bereichen Änderungen bewirken." Als es immer noch beim Thema Zuwanderung wieder einmal um die Frage geht, ob die Balkanroute nun für Flüchtlinge geschlossen ist, oder doch nicht, weist der 31-Jährige sein 17 Jahre älteres Gegenüber darauf hin, seine Netzwerke mit Rechtsaußen-Parteien wie dem Front National oder der AfD auf europäischer Ebene zu überdenken. Und: "Sie streben ein Regierungsamt an. Da sollten sie ein bisserl mehr bei den Fakten bleiben, damit sie sich nicht auf europäischer Ebene lächerlich machen."

Am Ende entpuppt sich dann Kurz als Taferlklassler: Auf einem solchen bringt er ein Strache-Zitat über den "rot-blauen Erfolgweg im Burgenland" und stellt eine angeblich bereits ausgemachte SPÖ-FPÖ-Koalition als Drohung in den Raum. Das kann Strache auch, Kurz wolle eine Koalition mit der SPÖ nicht per Notariatsakt ausschließen. Etwas durchsichtige Versuche beider, von der viel wahrscheinlicheren türkis-blauen Koalition abzulenken.