Im Gegensatz zu der in den letzten Jahrzehnten geübten Praxis des Innenministeriums, am Wahltag Teilergebnisse schon vor 17.00 Uhr an Medien und Forschungsinstitute weiterzugeben, wird dies - wie auch schon bei der Wiederholung der Bundespräsidentschafts-Stichwahl im Dezember des Vorjahres - nicht möglich sein. Der Verfassungsgerichtshof hat diese Vorgangsweise ja mit seinem Entscheid zur Stichwahl-Aufhebung für unzulässig erklärt.

Weniger Zeit zur Analyse

Die Arbeit der Hochrechner wird dadurch aber nicht allzu stark beeinträchtigt, sie wird nur stressiger. Denn mit der Weitergabe der Daten durch das Innenministerium erst beim Wahlschluss um 17.00 Uhr können die Experten ihre Modelle nicht (wie früher) über einen längeren Zeitraum auf Plausibilität überprüfen. Stattdessen werden alle bis dahin vorliegenden Ergebnisse (ca. 40 Prozent der Stimmen sind um diese Zeit ausgezählt) auf einen Schlag in die Computerprogramme eingespielt. Dann analysieren die Hochrechner die Daten und entscheiden, welche der vorbereiteten Varianten zum Einsatz kommt.

Dabei stehen sie (wie bei allen Wahlen) vor dem Problem, dass um 17.00 Uhr vorwiegend Ergebnisse aus dem ländlichen Raum vorliegen, nicht aus großen Städten wie Graz oder Wien. Wien beginnt einheitlich um 17.00 Uhr mit der Auszählung, die ersten Bezirke sind gegen 18.30 Uhr fertig.

Innenminister verkündet Ergebnis zwei Mal

Am Abend (üblicherweise ca. 19.30 Uhr) wird Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) dann das Ergebnis der Urnenwahl verkünden. Darin nicht enthalten ist der Großteil der Wahlkarten. Mit der Urnenwahl mitausgezählt werden nämlich nur jene, die am Sonntag im eigenen Regionalwahlkreis abgegeben wurden. Am Montag folgt die Auszählung des größten Teils der Briefwahl und am Donnerstag dann all jene Briefwahlstimmen, die am Sonntag in Wahllokalen in fremden Wahlkreisen abgegeben wurden.

Durch die im Urnenwahl-Ergebnis fehlenden Briefwahlstimmen wird das vorläufige Endergebnis am Sonntagabend von den Hochrechnungen (inkl. Briefwahlstimmen-Schätzung) abweichen. SORA wie auch ARGE versuchen durch ihre Wahlkarten-Schätzung dem Endergebnis nämlich schon möglichst nahe zu kommen.

Eine weitere Hochrechnung wird vom Wahl-Experten und Statistiker Erich Neuwirth für den TV-Sender "Servus TV" erstellt. Diese wird sich rein auf die Urnenwahl konzentrieren und keine Wahlkarten-Schätzung beinhalten.