Im Sommer sei man noch zu viert im Wohnzimmer gesessen, und habe sich die Frage gestellt, ob man ins Parlament kommen könne. Damals lautete die Antwort: "Ja, vielleicht". Im Laufe des Wahlkampfes hätten die vier viele weitere Verbündete gefunden, nicht nur Parlamentarier wie zum Beispiel den früheren grünen Budget- und Steuerrechtsexperte Bruno Rossmann oder die SPÖ-Rebellin Daniela Holzinger, sondern "die Menschen, die eine Veränderung wollen".

Thematisch interpretationsfähig

Solche vermisst Merith Streicher vor allem im Bildungswesen. Sie ist von der SPÖ enttäuscht, "dabei bin ich von klein auf bei den Kinderfreunden sozialisiert worden", sagt sie. Aber: "Die SPÖ von heute ist nicht mehr die Sozialdemokratie mit den Ideen von damals." Als Bildungswissenschaftlerin hofft sie, dass Pilz das Bildungsthema an die erste Stelle setzt. "Ich kenne ihn als Menschen mit Umsetzungscharakter", sagt sie.

Aysel S. wiederum ist das Auftreten des Kandidaten gegen Nationalismus, "egal welcher Art, auch gegen den türkischen wichtig. Nationalismus ist keine Frage der Kultur, es gibt immer mehr Nationalismus, auch unter Migranten ". Da sie in den sozialen Medien bereits mehrmals Drohungen "von Erdogan-Gläubigen" erhalten habe, will sie nicht mit vollem Namen aufscheinen. Pilz wählt sie, "weil jemand zu diesen Vereinen, die Hetze betreiben, endlich Stopp sagen muss."

Wofür er letztlich kämpfen wird, sagt Pilz an diesem Tag nicht ausführlich. Er erwähnt nochmals die Unterhaltsgarantie für Alleinerziehende, die man 70.000 Eltern und Kindern genützt hätte: "Das hätten wir fast geschafft", sagt er. Maria Stern, die das Thema zur Liste gebracht hat, ist auch ganz begeistern, dass es im Nationalrat breit diskutiert wurde, auch wenn das Gesetz letztlich keine Mehrheit fand.

"Aber vielleicht müssen wir so nach der Wahl weniger Kompromisse eingehen", sagt sie optimistisch. Nun ja, Pilz nennt jedenfalls die ÖVP als Schuldige: "Das ist eben eine Partei, die erst viel verspricht, es aber, wenn es ernst wird, nicht hält, sondern lieber den Sozialstaat abschaffen will." Versöhnlicher Ausklang An sein Umfeld gerichtet sagt Pilz: "Es war ein wunderbarer Wahlkampf. Wir haben keine Schmutzkübel angefüllt", sagt er auch – wohl aber seinen Bauch, nicht mit Schnaps, "da waren insgesamt nur vier wirklich unausweichlich." Anders bei regionaler Küche, die konnte und wollte er nicht ablehnen: "Es ist unfassbar, wie viel ich gegessen habe." Ab Montag esse er gar nichts, zumindest aber nicht mehr als Salat, Fruchtsaft und Wasser.

Davor aber noch das wichtigste Anliegen: "Jetzt lassen wir uns halt wählen, ich gehe davon aus, dass wir das schaffen", sagt Pilz.