Wien. Wird die ÖVP bei der heutigen Nationalratswahl Erste, dann ist das der vierte Machtwechsel seit 1945. 1970 nahm die SPÖ der ÖVP Platz 1 (in Prozent und Mandaten) ab. 1999 war die SPÖ zwar Erste, aber ÖVP und FPÖ bildeten die Regierung. 2002 wurde die ÖVP dann Erste - aber 2006 holte sich die SPÖ die Spitzenposition (samt Kanzler) zurück und hielt sich dort bis heute. Die FPÖ war noch nie Nummer 1.

Nur in vier Bundesländer-Ergebnissen standen die Freiheitlichen - bei den bisher 21 Nationalratswahlen seit 1945 - schon ganze oben: 1999 waren sie in Kärnten und Salzburg die stimmenstärkste Partei, 2008 (als BZÖ) in Kärnten und 2013 in der Steiermark. Bundesweit gelang ihnen das bisher noch nie - und auch auf Platz 2 schafften sie es nur einmal: 1999 lagen sie hauchdünn vor der ÖVP - und verhalfen dieser dennoch ins Kanzleramt.

Sollte die SPÖ hinter ÖVP und FPÖ zurückfallen, wäre das ihr erster dritter Platz in den 22 Wahlen der Zweiten Republik. Ganz im Westen kennen die Sozialdemokraten dies allerdings schon: In Vorarlberg war die SPÖ 2008 und 2013 nur mehr Vierte, also auch hinter den Grünen, und 1994, 1994 und 1999 nur mehr Dritte. Das war auch ihr Rang, hinter ÖVP und FPÖ, bei den Wahlen 1999 und 2013 in Tirol.

Bundesweit war die SPÖ wesentlich öfter Nummer 1 als die ÖVP - wobei man hier zwischen Stimmen und Mandaten unterscheiden muss: Die ÖVP bekam 1945, 1949, 1956, 1962, 1966 und dann wieder 2002 die meisten Stimmen, war also sechsmal rundum stärkste Partei - aber zwei Mal (1953 und 1959) fielen der ÖVP (dank Wahlrecht) mehr Mandate zu als der knapp stimmenstärkeren SPÖ. Somit behielt die Volkspartei auch den Kanzlerposten, der durchgehend von 1945 bis zur Wahl 1970 und dann von 2000 bis 2006 in ihrer Hand war. Der letzte ÖVP-Kanzler war - dank Koalition mit der FPÖ - Wolfgang Schüssel.

Die SPÖ war umgekehrt 15 Mal nach Stimmen und 13 Mal nach Mandaten Erste bei den bisher 21 Nationalratswahlen. 1970 wurde Bruno Kreisky der erste rote Bundeskanzler - und seither blieb das Kanzleramt in der Hand der SPÖ, ausgenommen nur die sechs Jahre Schwarz-Blau.

Läuft es gut für die Liste Pilz, wird sie die zehnte Partei, die es in den - nun - 22 Nationalratswahlen über die Vier-Prozent-Hürde schaffte. Versucht haben das bisher 81 Parteien, in den Nationalrat geschafft haben es bisher auf Dauer nur SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grüne sowie vorübergehend KPÖ, LIF, BZÖ und Team Stronach. Die 2013 neu dazugekommenen NEOS bemühen sich heute um den Verbleib.

Gelingt es die NEOS nicht, muss sich zum vierten Mal eine Partei verabschieden. Sollten die Grünen unter vier Prozent fallen (und auch kein Direktmandat schaffen), wären sie die Partei, die nach der längsten Parlamentszeit gehen muss: Sie zogen 1986 ein, den Abschied brächte ihnen ihre zehnte Wahl.

Die (1945 eingezogene) KPÖ flog 1959 in der fünfte Wahl der Zweiten Republik aus dem Nationalrat. Das LIF (mittlerweile mit den NEOS fusioniert) fiel 1999 in seiner dritten Wahl unter die Vier-Prozent-Hürde - und 2013 ebenfalls in seiner dritten Wahl das BZÖ.

Eine Partei hat sich während der laufenden Legislaturperiode selbst verabschiedet: Das Team Stronach löste sich im heurigen Sommer mangels weiterer Unterstützung durch den Parteigründer auf.