Auch über die Gründe, warum doch recht viele Wahlberechtigte ihre Stimme schon am Vormittag abgegeben haben, gab es unterschiedliche Ansichten. Manche Wahlbeisitzer und Beobachter meinten, es laufe auf eine höhere Wahlbeteiligung hinaus, andere glaubten eher, dass die Bürger die Stimmabgabe am Vormittag schnell hinter sich bringen wollen, um den sonnigen Tag für Freizeitaktivitäten nutzen zu können. Die letzten Wahllokale in Kärnten schließen um 16.00 Uhr.

Prächtiges Wetter für den Urnengang in ganz NÖ

"Wettertechnisch" gesehen hat in Niederösterreich alles für eine hohe Wahlbeteiligung gesprochen: Von Amstetten im Westen des flächenmäßig größten Bundeslandes über Wiener Neustadt im Süden bis Zwettl im Norden luden milde Herbsttemperaturen zum Urnengang ein. In Krems war der Sonntag ein "Superwahltag": Neben der Nationalratswahl stand in der Statutarstadt auch die Gemeinderatswahl am Programm.

Seitens der NÖ Wahlbehörde wurden zu Mittag keinerlei Auskünfte über die Beteiligung erteilt. Beobachtungen zufolge machte sich etwa in Klosterneuburg (Bezirk Tulln) so mancher sonntägliche Frühaufsteher, darunter auch Jogger, schon zeitig auf den Weg, sein demokratisches Recht wahrzunehmen. In der Landeshauptstadt St. Pölten, wo am Morgen ebenfalls die Sonne vom Himmel lachte, hatten in einem Sprengel mit rund 800 Wahlberechtigten gegen 8.00 Uhr bereits 50 Wähler ihre Kuverts in den Wahlurnen deponiert, hieß es.

Aus polizeilicher Sicht war es am Wahlsonntag im Bundesland weitgehend ruhig - bis auf einen Zwischenfall, der für Aufregung gesorgt hat: In einem kleinen Ort im Bezirk Melk musste die Wahl für 20 Minuten unterbrochen werden, weil ein potenzieller Wähler diese gestört hatte, berichtete Polizeisprecher Johann Baumschlager der APA auf Anfrage von einem Disput.

Der 49-Jährige habe ein anderes Kuvert haben wollen, weil er meinte, seines wäre markiert. Nachdem er das Wahllokal nicht verlassen wollte, verständigte der Wahlleiter die Exekutive, die den Mann hinaus begleitete. In weiterer Folge holte er von daheim einen amtlichen Lichtbildausweis und machte - wieder von der Polizei begleitet - doch von seinem Stimmrecht Gebrauch.

Laut dem Polizeisprecher stehen nun Anzeigen u.a. wegen Verwaltungsübertretung und Ordnungsstörung im Raum. Geprüft werde der Vorfall auch vom Landesamt Verfassungsschutz in Richtung Paragraf 262 StGB (Wahlbehinderung). Überdies sei der Mann mit einem Kfz ohne Führer- und Zulassungsschein unterwegs gewesen.

Mit knapp 1,3 Millionen zählt Niederösterreich die meisten Wahlberechtigten im Bundesländervergleich. In dem "schwarzen Kernland", seit April mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) an der Spitze, erreichte die ÖVP seit 2002 durchgehend Platz eins bei NR-Wahlen. Zuletzt (2013) waren es 30,6 Prozent, wobei auch die SPÖ mit 27,6 Prozent überdurchschnittlich abschnitt. Mit Innenminister Wolfgang Sobotka und Bildungsministerin Sonja Hammerschmid führen zwei Regierungsmitglieder die Landeslisten von ÖVP und SPÖ an.

Wahllokale in Vorarlberg schon geschlossen
In Vorarlberg ist der Urnengang zur Wahl des Nationalrats bereits beendet. Wie im westlichsten österreichischen Bundesland üblich schlossen die letzten Wahllokale um 13.00 Uhr. Bei herrlichem Herbstwetter - strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen - lag die Wahlbeteiligung nach ausgezählten 28 Kommunen bei 63,4 Prozent, was auf eine deutlich höhere Beteiligung als 2013 schließen ließ.

Um 13.00 Uhr standen die Ergebnisse in etlichen kleinen Ortschaften bereits fest, es waren die Stimmen in 28 der 96 Vorarlberger Gemeinden mit 13.056 der insgesamt 272.909 Wahlberechtigten ausgezählt. Noch keine Ergebnisse gab es freilich aus den größeren Orten und Städten im Rheintal.

Die Wahlbeteiligung lag in diesen 28 Gemeinden bei 63,4 Prozent, eine Prognose bzw. Hochrechnung für die landesweite Wahlbeteiligung gab es seitens der Landeswahlbehörde nicht. Sie dürfte aber um einige Prozentpunkte mehr betragen als bei der Nationalratswahl 2013. Damals wurden ohne Wahlkarten 57,5 Prozent bzw. letztlich mit Wahlkarten 65,9 Prozent ausgewiesen. In Vorarlberg wurden in diesem Jahr 38.888 Wahlkarten (2013: 27.067 ) ausgestellt, so viele wie nie zuvor.