Wien. Der Wein floss. Die Musik dröhnte. Im Kursalon Hübner in Wien feierte die ÖVP am Sonntag ausgelassen ihren Wahlsieg. Am Montag gönnte sich die Partei eine Ruhepause. Wie geht es nun mit der ÖVP weiter? Die "Wiener Zeitung" formuliert fünf Thesen.

Die ÖVP zieht wieder
junge Menschen an

Unter den Gästen im Kursalon befanden sich auffallend viele junge Menschen. Besonders vor dem Bühnenbereich tummelten sich einige. "Die Jungen sind wieder da", frohlockte ein älterer ÖVP-Funktionär. Wird diese subjektive Einschätzung von den Zahlen bestätigt? Laut der Wahltagsbefragung des Sora-Instituts für den ORF haben bei den jungen Wählern (bis 29) bei diesen Wahlen 28 Prozent die ÖVP gewählt. Davor liegt nur die FPÖ mit 30 Prozent. Die SPÖ kommt dagegen lediglich auf 17 Prozent. Bei der Befragung zur NR-Wahl 2013 lagen SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grüne bei den Jungwählern mit 21 bis 23 Prozent noch in etwa gleichauf.

Junge für Schwarz-Blau, Ältere sind skeptisch

Vor allem diese jungen ÖVP-Funktionäre und -Sympathisanten sind es, die eine schwarz-rote Koalition strikt ablehnen. "Ich bin für Schwarz-Blau - ohne zu zögern", meint etwa ein junger Mann im beigen Sakko. Sein Argument: Bundeskanzler Christian Kern liege ihm überhaupt nicht.

Sie präferiere eindeutig Schwarz-Blau, sagt auch eine Funktionärin von der Jungen ÖVP. "Schwarz-Rot bringt einfach nichts weiter", wirft ihre Kollegin ein. Ein Mann outet sich als ÖVP-Sympathisant, gibt dann aber zu, eigentlich die FPÖ gewählt zu haben. Einen schweren Stand hat die FPÖ generell nicht: Bei der ersten Hochrechnung hatten einige Gäste neben dem ÖVP-Ergebnis auch jenes der FPÖ bejubelt.

Ältere ÖVPler stehen Schwarz-Blau weniger aufgeschlossen gegenüber. "Von den Charakteren her, die da in die Politik gekommen sind, war die schwarz-blaue Regierung 2002 keine Erfolgsgeschichte", sagt ein Ex-Nationalratsabgeordneter, der anonym bleiben möchte. "Bei den Sozialdemokraten wissen wir, woran wir sind", fügt er hinzu. Er hält Schwarz-Rot für möglich, wenn es in der SPÖ zu Personalveränderungen kommt. "Ich hoffe, dass es nicht zu Schwarz-Blau kommt und sich die konstruktiven Kräfte durchsetzen", meint ein anderer altgedienter Funktionär.