Wien. Die drei größten Städte des Landes, Wien, Graz und Linz, haben anders gewählt als der "Rest" Österreichs. Am Wahlverhalten wird die wachsende Diskrepanz zwischen ländlichen Regionen, die sich abgehängt fühlen, und Großstädten mit wirtschaftlicher Dynamik sichtbar, sagte Günter Ogris vom Sozialforschungsinstitut Sora, das auch die Wahlprognosen für den ORF macht.

Ein Unterschied im Wahlverhalten betrifft die Grünen. Die sind zwar auch in den drei größten Städten abgestraft worden, aber nach deren Ergebnissen wären sie sicher im Nationalrat verblieben.

Da dürfte tatsächlich nicht so sein, die ersten Auszählungen der Wahlkarten am Montag haben keine Verschiebung des Wahlergebnisses gebracht. Das sieht die Grünen bei 3,9 Prozent, knapp unter der Vier-Prozent-Hürde, die es für den Einzug in den Nationalrat zu überspringen gilt.

In der Grünen Partei hat nicht nur die Ursachenanalyse begonnen, manche fordern auch bereits personelle Konsequenzen: Der Bundesvorstand solle zurücktreten. Das könnte im Bundesvorstand am Dienstag passieren. Im erweiterten Gremium am Freitag steht auch die Diskussion um die finanziellen Folgen des Desasters am Plan: Egal wie das Ergebnis letztlich ausgeht, es geht um mehrere Millionen Euro.

Mögliche Regierungsvarianten

Unterdessen wird auch über mögliche Regierungsvarianten spekuliert. Auf der Wahlfeier sprach sich die Mehrheit der jüngeren ÖVP-Sympathisanten für Schwarz-Blau aus. Mit der SPÖ komme man einfach nicht mehr zusammen, so der allgemeine Tenor. Die älteren Funktionäre sehen Schwarz-Blau hingegen kritischer. Sie hoffen, dass man sich mit den Roten doch noch zusammenrauft. Möglich wäre aber auch, dass Kurz etwas komplett Neues wagt und eine ÖVP-Minderheitsregierung mit wechselnden Beteiligungen im Sinne hat.

Die SPÖ stand auch am Montag geschlossen hinter Christian Kern und ist offen für Koalitionsgespräche mit allen Parteien. Das hat der Parteivorstand beschlossen. Während Kern dabei "keine Türen zuschlagen" will, stemmt sich der Wiener Bürgermeister und SPÖ-Chef Michael Häupl klar gegen eine rot-blaue Koalition.