Die unabhängige UN-Expertin Rosa Kornfeld-Matte (mitte). - © UNIS Vienna
Die unabhängige UN-Expertin Rosa Kornfeld-Matte (mitte). - © UNIS Vienna

"Wiener Zeitung": Laut UN-Berichten nehmen in Europa Sexismus und Rassismus ab, während Altersdiskriminierung zunimmt. Wie äußert sich "Ageism"?

Rosa Kornfeld-Matte: Westliche Gesellschaften betrachten den Lebensverlauf allgemein durch eine Anti-Aging-Linse, und das spiegelt sich in einem sehr negativen Bild des Alterns wieder. Ageism (Altersdiskriminierung, Anm.) äußert sich in diskriminierenden Handlungen, die auf Vorurteilen aufgrund des Alters beruhen. Zum Beispiel, dass ältere Menschen inaktiv, konservativ, unkreativ usw. seien, oder das allgemein negative Image, das das Altersstigma nährt.

Was kann man gegen diese Vorurteile tun?

Inklusion, Empowerment und Partizipation von älteren Menschen fördern, das beginnt schon auf Gemeinschaftsebene. Dazu muss man lebenslanges Lernen und die Ausbildung älterer Menschen ermöglichen. Ältere Personen haben Rechte wie alle anderen Menschen auch. Dafür muss Bewusstsein geschaffen werden.

Die größten Probleme älterer Menschen sind laut UN-Umfragen: Angst vor Krankheit, Behinderung und Abhängigkeit, Einsamkeit und Armut (in dieser Reihenfolge). Isolation und Einsamkeit sind im Alter ein Problem, da sie zum Verlust sozialer Integration, Teilhabe und Entmachtung führen und letztendlich mit sozialer Ausgrenzung enden: ältere Menschen verlieren dadurch den Zugang zu Dienstleistungen und können somit nicht mehr alle ihre Rechte ausüben. Die Forschung legt ebenfalls nahe, dass die größte Sorge älterer Menschen darin besteht, einsam und abhängig zu sein oder zu werden.

Welche Verantwortungen gibt es hier, auf persönlicher und auf politischer Ebene?

Im Allgemeinen sind alle Menschen gesellschaftlich dazu verpflichtet, zum Zusammenleben mit Älteren beizutragen. Anzuerkennen, dass ältere Menschen ein aktiver Teil der Gesellschaft sind, ist der erste Schritt. Wir brauchen Raum für Aktivitäten und soziale Integration wie Zusammenkünfte und Treffen, und der Staat ist dazu verpflichtet, soziale Integration zu fördern und zu unterstützen. Wichtig sind auch generationenübergreifende Projekte und Aktivitäten. Wir müssen ältere Menschen als Inhaber von individuellen Rechten betrachten und nicht als eine Art von Menschen, die sozusagen "entsorgt" werden können. Eine Maßnahme könnte darin bestehen, zivilgesellschaftliche Aktivitäten zu unterstützen und ältere Menschen zu ermutigen, selbst für ihre Rechte zu kämpfen, indem sie beispielsweise ein Ehrenamt annehmen oder unterstützen.