Die Flutwelle wälzte in Pandeglang fast alles nieder. - © reu/Antara Foto
Die Flutwelle wälzte in Pandeglang fast alles nieder. - © reu/Antara Foto

Jakarta. Indonesien ist nach dem Ausbruch des Anak Krakatau im Alarmzustand: Die zuständigen Behörden setzten am Donnerstag die Warnstufe für den Vulkan in der Sundastrasse auf die zweithöchste Stufe nach oben und dehnten die Sperrzone auf fünf Kilometer aus. Zudem wird der Flugverkehr umgeleitet. Das Amt für Katastrophenschutz und die Behörde für Klimatologie und Geophysik, beide mit Sitz in Jakarta, forderten die Menschen auf, sich wegen Tsunami-Gefahr von den betroffenen Küstengebieten fernzuhalten. Anak Krakatau, dessen Ausbruch vor wenigen Tagen eine Tsunami-Katastrophe ausgelöst hatte, gehört zu den aktivsten Vulkanen der Welt.

Am Vortag waren verstärkt Rauchwolken und heiße Asche ausgetreten. Die Asche sei zwar harmlos, doch sollte man in den betroffenen Gebieten Schutzmasken und Schutzbrillen tragen, meinte der Sprecher des Katastrophenschutzamtes, Sutopo Purwo Nugroho. Die Eruption des Vulkans samt anschließendem Erdrutsch rund 50 Kilometer vor der Küste hatten am vergangenen Samstag mitten in der Urlaubshochsaison einen Tsunami ausgelöst, durch den auf den nahe gelegenen Inseln Sumatra und Java mehr als 430 Menschen starben. Die Flutwelle schwappte auf einer Küstenlänge von mehr als 310 Kilometern bis zu 500 Meter landeinwärts. Am schlimmsten betroffen ist der Bezirk Pandeglang, der vor allem bei einheimischen Touristen beliebt ist.

Tausende wurden durch die Flutwelle obdachlos. Die Behörden zählten knapp 1500 Verletzte, mehr als 150 Menschen werden noch vermisst. Die Katastrophe weckt Erinnerungen an den verheerenden Tsunami, der am 26. Dezember 2004 Indonesien und andere Teile Südostasiens heimsuchte. Damals starben allein in der indonesischen Provinz Aceh mehr als 200.000 Menschen.

Verzweifelte Suche nach Opfern

Auch diesmal gestalteten sich die Rettungsarbeiten äußerst schwierig. Hunderte suchen weiterhin unter Hochdruck nach Opfern und Überlebenden. Sintflutartige Regenfälle erschwerten zuletzt die Hilfsarbeiten, insbesondere in entlegenen Ortschaften. Der Tsunami hatte am Samstag alles mit sich gerissen, was ihm im Weg stand, und weit landeinwärts getragen. Umgestürzte Palmen, Treibholz und Dreck lagen an den Sandstränden, wo noch vor wenigen Tagen Urlauber ins lange Wochenende hineinfeierten.

"Viele, die wir in den entlegenen Ansiedlungen angetroffen haben, hatten bisher keinerlei medizinische Behandlung erhalten", sagte Dina Afriyanti, die als Hebamme für Ärzte ohne Grenzen in der Küstenstadt Labuan arbeitet. Die Organisation versorgte auch mit einem mobilen Team Verletzte, die sich zu Fuß in höher gelegene Bereiche gerettet haben.

Auf der Insel Sebesi harrten Bewohner drei Tage lang in den Hügeln aus, bevor Helfer sie aufs Festland bringen konnten, erzählte Hajawi dem Sender TV One. "Als die erste Welle kam, sagte ich meiner Frau und Kindern, sie müssen auf den Hügel laufen." Der Anak Krakatau wächst seit Jahrzehnten aus den Überresten einer bei der verheerenden Explosion des Krakatau 1882 fast vollständig zerstörten Vulkaninsel aus dem Meer.