Rom. Dass sich hier ein einmaliges Ereignis in der katholischen Kirche zuträgt, ist nicht zu überhören. "Veni Creator Spiritus" singen die Kardinäle und Bischöfe auch am zweiten Tag ihres Treffens im Vatikan, das offiziell "Der Schutz von Minderjährigen in der Kirche" heißt, aber nichts weniger als eine Konferenz über die Zukunft der Institution ist. Den Heiligen Geist singen die Purpurträger sonst nur bei großen Begebenheiten wie einer Papstwahl herbei. Man merkt es an den Vorträgen, Zwischenrufen, Stellungnahmen und der gesamten Atmosphäre in Rom: Die Kirche ringt hier mit sich selbst.

Betroffene von sexuellem Missbrauch durch Priester stehen vor dem Vatikan, um die knapp 200 Konferenzteilnehmer daran zu erinnern, um wen es hier geht. "Wir können nicht weiter warten, dass sich die Bischöfe endlich bewusst werden, was in der Kirche passiert ist", sagt Simone Padovani vom Betroffenen-Netzwerk "Ending Clergy Abuse" (ECA). Die Opfer warteten seit 20 Jahren auf Veränderungen, sagt Padovani.

"Komm, Schöpfer Geist." Diesen Wunsch haben auch die Opfer, sollten sie den Glauben an den Heiligen Geist nicht verloren haben. Für sie bedeutet er die Erkenntnis, dass gegen Täter und Vertuscher kompromisslos vorgegangen werden muss. Reuig zeigen sich einige Würdenträger. Die Tränen des Erzbischofs von Manila, Kardinal Luís Antonio Tagle, werden in Erinnerung bleiben. Als er in seinem Referat die Wunden Christi mit denen der Missbrauchsopfer verglich, konnte er nicht mehr an sich halten und begann zu schluchzen.

Keine Erklärung
zum Abschluss des Gipfels

Der Papst hatte Konkretheit angemahnt. Und er hat 21 Stichpunkte geliefert, wie diese Konkretheit letztlich aussehen könnte. Wie sich dann aber herausstellte, hatten die Bischofskonferenzen diese Punkte für den Papst zusammengestellt. Dreht man sich hier also im Kreis? Die Vorschläge handeln von der Einrichtung von Anlaufstellen für Opfer oder von einem Handbuch für Bischöfe, wie bei Missbrauchsfällen vorzugehen ist. In der Glaubenskongregation wird an so einem Band gerade gearbeitet. "Warum ist er nicht schon längst veröffentlicht?", fragt Aktivist Padovani. Über die 21-Punkte-Liste sagt er: "Nichts als Worte."

Die Betroffenen haben Zweifel. Zum Abschluss des Gipfels am Sonntag ist keine Erklärung geplant, schon gar keine Maßnahmen scheinen beschlossen zu werden. In der zweitausend Jahre alten Kirche brauche alles seine Zeit, heißt es im Vatikan. Er hoffe auf eine Absichtserklärung, sagt der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. "Hoffentlich wird es konkrete Maßnahmen geben", meint auch der Bostoner Kardinal Sean O’Malley. Hoffen, Absichtserklärungen.