Vatikanstadt. Die Teilnehmer an der Kinderschutzkonferenz im Vatikan betrachten das Gipfeltreffen als "Wendepunkt" im Einsatz der Kirche gegen Kindermissbrauch. "Das Zuhören in einem Klima des gegenseitigen Respekts führt zu großen Resultaten", sagte der Moderator der Konferenz, Pater Federico Lombardi, am Samstag bei einem Pressebriefing, während Opfervertreter für konkrete Ergebnisse demonstrierten.

In den wenigen Tagen des Gipfels sei das Bewusstsein der Notwendigkeit, effiziente Strategien im Kampf gegen Kindesmissbrauch umzusetzen, stark gewachsen, so Lombardi. Die Zeugnisse der Missbrauchsopfer hätten die Gipfelteilnehmer zutiefst bewegt.

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx hob die Offenheit und die Bereitschaft der Kirche hervor, den Wandel in Richtung einer stärkeren Kommunikation auch bei einer fürchterlichen und stark ausgedehnten Plage wie jene des Kindesmissbrauchs zu akzeptieren. "Die Schritte nach vorn in der Kultur des Dialogs sind beeindruckend", sagte Marx. Er äußerte die Hoffnung, dass das nächste Kinderschutztreffen nicht in fünf Jahren, sondern viel früher stattfinde.

Schwere Versäumnisse

Marx räumte auch schwere Versäumnisse der Kirchenverwaltung ein. "Akten, die die furchtbaren Taten dokumentieren und Verantwortliche hätten nennen können, wurden vernichtet oder gar nicht erst erstellt", sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz laut der Deutschen Presse-Agentur. Nicht die Täter, sondern die Opfer seien "reglementiert" und ihnen sei "Schweigen auferlegt" worden.

"Festgelegte Verfahren und Prozesse zur Verfolgung von Vergehen wurden bewusst nicht eingehalten, sondern abgebrochen oder außer Kraft gesetzt", kritisierte Marx in seinem Vortrag. "Die Rechte von Opfern wurden gleichsam mit Füßen getreten und sie der Willkür Einzelner ausgeliefert. Dies sind alles Geschehnisse, die dem zutiefst widersprechen, wofür die Kirche stehen sollte."

Wer Kinder verletze, verletze Gott, hoben die Teilnehmer am Gipfeltreffen hervor. Im Rahmen der Arbeitsgruppen wurde unterstrichen, dass die Kirche zu mehr Synodalität finde. Zugleich sei es prioritär, jene Länder zu unterstützen, die noch keine Protokolle zum Kinderschutz entworfen habe. Wichtig sei es auch, die Präsenz von Frauen und Laien in den Diözesen zu stärken, hieß es. Besprochen wurde auch das Thema einer genaueren Prüfung der Seminaristen. Alle Aspekte ihrer Persönlichkeit sollten genau beleuchtet werden. Kandidaten, die von einem Seminar abgelehnt worden seien, dürften nicht von einem anderen aufgenommen werden.