Mapu und sein Vater Isaka Huni Kuin sind derzeit in Wien - auch hier mit traditioneller Gesichtsbemalung und Kleidung. In Mapus Haarschmuck steckt ein Eichhörnchen-Schwanz. - © Walther
Mapu und sein Vater Isaka Huni Kuin sind derzeit in Wien - auch hier mit traditioneller Gesichtsbemalung und Kleidung. In Mapus Haarschmuck steckt ein Eichhörnchen-Schwanz. - © Walther

Rio Branco/Wien. Für die indigenen Völker Brasiliens ist mit der Machtübernahme Jair Bolsonaros Anfang diesen Jahres wieder eine düstere Zeit angebrochen. Denn der Rechtspopulist hat schon längst angekündigt, dass die Gebiete, in denen Ressourcen zu holen sind, nicht mehr geschützt sein werden. Weder für die Umwelt, noch für die Indigenen, die im Amazonasgebiet leben.

Das betrifft etwa die Angehörigen der Volksgruppe Huni Kuin (auch als Kaxinawá bekannt).

Indigene werden in Brasilien zwischen den Fronten zerrieben, schildert der 30-jährige Mapu, der nach indigener Art den Namen seines Volkes als Familiennamen anführt: Mapu Huni Kuin. Denn einerseits wird es ihnen verunmöglicht, sich in den Städten zu integrieren. Andererseits werden sie auch aus ihren angestammten Gebieten vertrieben.

Mapu kann das aus eigener Erfahrung bezeugen: Vor sieben Jahren verließ er sein Dorf und ging in die nächstgelegene Kleinstadt, nach Plácido de Castro. Er wollte dort Jus studieren und schrieb sich an der rechtswissenschaftlichen Fakultät ein. Nach einer Woche gab er auf. Er wurde von seinen weißen Kommilitonen bedroht und beschimpft. Die Universität, so beschieden sie ihm, sei nichts für Indios wie ihn.

Das hat ihn politisiert, und er hat sich in gewisser Weise an seine Wurzeln zurückerinnert. Dabei half natürlich, dass sein Vater, der nunmehr 80-jährige Isaka, der oberste Heiler, der Schamane seiner Gemeinde war und die indigene Kultur nie abgelegt hatte.

Beide fingen an, Vorträge an Universitäten zu halten, in der gebildeteren Schicht gibt es - in Brasilien wie auch in Europa - durchaus Interesse an der indigenen Kultur und an traditionellen Heilungsritualen. So konnten sie sich finanziell über Wasser halten und gleichzeitig ihre Kultur weiter tragen.

Doch 2017, als Brasilien schon längst von einem konservativen Präsidenten geführt wurde (Michel Temer hatte die Linkspolitikerin Dilma Rousseff des PT nach einem umstrittenen Amtsenthebungsverfahren ersetzt), drehte sich der Wind in der Hauptstadt so stark, dass es bis in die entlegenen Regionen im Bundesstaat Acre zu spüren war. Das Naturschutzgebiet, in der Mapu mit rund 30 Angehörigen seines Stammes gelebt hatte, wurde praktisch über Nacht von einem Großgrundbesitzer zu dessen Eigentum erklärt und mit einem Zaun gesichert.

Die Vertreibung der Huni Kuin aus dem Naturschutzgebiet