Die Proteste gegen den islamfeindlichen Film ebben nicht ab. - © APAweb/EPA/Arshad Arbab
Die Proteste gegen den islamfeindlichen Film ebben nicht ab. - © APAweb/EPA/Arshad Arbab

Kabul/Istanbul. Der islamfeindliche Film "Die Unschuld der Muslime" sorgt weiterhin in vielen Teilen der Welt für Demonstrationen und Ausschreitungen. Angesichts der nicht abnehmenden Proteste wird bereits in mehreren Ländern überlegt, den Zugang zu Filmausschnitten, die online gestellt wurden, zu sperren. 

Die pakistanische Regierung traf nach gewaltsamen Protesten mit mindestens zwei Toten die Entscheidung, die Videoplattform YouTube zu sperren. YouTube habe sich zuvor geweigert, das Video von seiner Seite zu nehmen. Bei dem Versuch, die Seite anzusteuern, erschien die Mitteilung, YouTube werde wegen "unanständigen" Materials" von der Telekommunikationsbehörde blockiert.

Debatte über Ausstrahlungsverbot
Eine Teilblockade von Youtube ordnete die Regierung in Afghanistan an, auch Russlands Staatsanwaltschaft kündigte an, sie wolle die Verbreitung des Films verbieten lassen. In anderen Ländern bewies der Internetkonzern Google, dem YouTube gehört, mehr Einsicht und sperrte das Video - etwa in Ägypten, Indien, Indonesien und Libyen.

Ein mögliches Ausstrahlungsverbots für den gesamten islamfeindlichen Film führte in Deutschland zu einer heftigen Debatte. Aus der CDU kamen am Montag erneut Forderungen nach einem Verbot, während Politiker von SPD und Grünen davor warnten, Grundrechte wie die Meinungsfreiheit infrage zu stellen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich zurückhaltend.

  Auslöser der Debatte war die Ankündigung der rechten Gruppierung "Pro Deutschland", den islamfeindlichen Film "Die Unschuld der Muslime" in voller Länge in Berlin zeigen zu wollen. Seit Tagen gibt es in der muslimischen Welt teils gewalttätige Proteste gegen den Film. Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte angekündigt, er wolle dessen Vorführung in Deutschland verhindern.

Proteste dauern an
Die Unruhen und Proteste in der islamischen Welt ebben indes immer noch nicht ab. Mehr als tausend Menschen demonstrierten in Kabul gegen den in den USA produzierten islamfeindlichen Film . Einige Demonstranten zündeten Autos an und riefen "Tod für Amerika", wie der Polizeichef der afghanischen Hauptstadt, Mohammad Ayoub Salangi, sagte. Zudem eröffneten demnach aus der Menge heraus einige Menschen das Feuer auf Polizisten, diese schossen aber nicht zurück. "Und das werden wir auch nicht", sagte Salangi.

Die Proteste fanden den Angaben zufolge im Osten Kabuls auf der Straße von Jalalabad statt. Dort befinden sich NATO- und US-Basen. Einem AFP-Fotografen zufolge lagen Steine auf vielen Straßen, zudem schlossen Geschäftsleute in der Gegend eilig ihre Geschäfte. Berichte über Verletzte lagen bisher nicht vor.

Protest-Woche im Libanon
Unterdessen rief der Chef der schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon, Hassan Nasrallah, zu einer Woche des Protests gegen den Film "Die Unschuld der Muslime" auf, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. "Die ganze Welt muss die Wut in euren Gesichtern, euren Fäusten und euren Schreien sehen", sagte er am Sonntagabend in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Die ganze Welt müsse begreifen, dass Mohammed Anhänger habe, die zu dem Film nicht schweigen würden.

Den Film, der in zahlreichen muslimischen Ländern in den vergangenen Tagen zu gewalttätigen Protesten geführt hatte, bezeichnete Nasrallah als "den schlimmsten jemals gestarteten Angriff auf den Islam". Der Film sei noch verheerender als die Verbrennung des Koran in Afghanistan und die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in Europa.

Erdogan fordert weltweite Ächtung der Islamophobie
Nach den Protesten gegen den antimuslimischen Schmähfilm aus den USA will der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan eine weltweite Ächtung der Islamophobie erreichen. Er werde das Thema bei der bevorstehenden UNO-Vollversammlung in New York zur Sprache bringen, sagte Erdogan nach Presseberichten vom Montag. Er verwies darauf, dass die muslimische Türkei den Antisemitismus als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebrandmarkt habe. Dagegen habe der Westen die Islamophobie nicht geächtet, sondern sogar noch dazu ermuntert.

Die Türkei will nach Erdogans Worten auch ihre eigenen Gesetze nachbessern. Es gehe um eine Grenzziehung zwischen der Meinungsfreiheit und der Religionsfreiheit, sagte der Ministerpräsident während der Rückkehr von einem Besuch in Bosnien vor mitreisenden Journalisten. Die Türkei werde bei diesem Thema weltweit führend sein.