Wien. Die Preise an den Rohstoffmärkten haben sich vollkommen von der Realwirtschaft entkoppelt, meint der Ökonom Heiner Flassbeck von der UNO-Organisation Handel und Entwicklung (Unctad), der anlässlich einer AK-Tagung zum Thema "Finanzmärkte und Rohstoffpreise" am Montag in Wien war. Festmachen könne man das am Beispiel des Ölpreises, dessen Höhenflüge nichts mit Angebot und Nachfrage zu tun hätten, "selbst wenn die Opec den Markt mit Öl überflutet, sind die Preise nicht zurückgegangen", meint Flassbeck. Die Agrarrohstoffe hätten sich im Anstieg parallel mit den Ölpreisen verhalten, getrieben von einem "Herdenverhalten" von Spekulanten.

Eine in Deutschland mit Eigenmitteln finanzierte Studie von der Universität Halle und dem Leibniz Institut für Agrarentwicklung (IMAO) kommt zu ganz anderen Ergebnissen. "Wir haben uns die wesentlichen wissenschaftlichen Studien der letzten Jahre angesehen", erklärt IMAO-Direktor Thomas Glauben im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Da seien keine signifikanten Zusammenhänge zwischen Finanzspekulation und Preissteigerung festzustellen. Dass das Preis-Niveau bei Agrarrohstoffen gestiegen sei, bestätigt Glauben, jedoch hänge es mit anderen Faktoren zusammen. Dass Finanzspekulationen Agrarrohstoffe verteuern, liege daher nur "im Bereich von Vermutungen".