Brasilia/Wien. Durch das Projekt Belo Monte will die brasilianische Regierung elektrische Energie aus Wasserkraft am Fluss Xingu, einem Seitenfluss des Amazonas, gewinnen. Mit einer Leistung von mehr als elf Gigawatt soll Belo Monte eines der weltweit größten Wasserkraftwerke werden. Betreiber und Investoren (staatliche als auch private) haben sich zum Konsortium Norte Energia SA zusammengeschlossen. Als Zulieferer ist auch der österreichische Anlagenbauer Andritz beteiligt.

NGOs kritisieren Belo Monte heftig: 500 Quadratkilometer sollen geflutet, geschätzte 40.000 Menschen umgesiedelt werden, zudem drohe das Ökosystem der Region zusammenzubrechen. Damit werde Indigenen die Lebensgrundlage genommen.

Der Priester Antônio Claret Fernandes und der Agraringenieur Leonardo Bauer Maggi, beide von der brasilienweiten Bewegung von Staudammbetroffenen (Movimento dos Atingidos por Barragens - MAB), waren auf Einladung der Dreikönigsaktion der katholischen Jungschar in Wien.

"Wiener Zeitung":Wie sieht die Lage vor Ort aus? Wie weit sind die Bauarbeiten fortgeschritten?

Auf dem Xingu können die Fischer ihre Boote noch an der Baustelle Belo Monte vorbei navigieren. Doch der Flusspegel sinkt, die Auswirkungen auf das Ökosystem könnten enorm werden. - © reuters
Auf dem Xingu können die Fischer ihre Boote noch an der Baustelle Belo Monte vorbei navigieren. Doch der Flusspegel sinkt, die Auswirkungen auf das Ökosystem könnten enorm werden. - © reuters

Antonio Claret Fernandes: Vor ein paar Monaten wurde gerichtlich ein Baustopp verhängt, über den der Oberste Gerichtshof dann leider wieder hinweg entschieden hat. Dahinter steckt der Druck der internationalen Konzerne. Es wurde bereits mit dem Bau des ersten Kanals begonnen. Die negativen Umweltauswirkungen sind schon sichtbar: Der Wasserstand im Fluss ist bereits gesunken.

Wie steht es um die Menschen im Umfeld von Belo Monte?

Claret: Es leben dort viele Kleinfischer, Indigene und viele Kleinbäuerinnen, aber auch die städtische Bevölkerung der Stadt Altamira. Sie haben mit großen Sorgen zu kämpfen. Laut Baukalender soll der Stausee 2014 fertiggestellt sein. Die Menschen, deren Land bald überschwemmt wird, wissen nicht, wohin sie gehen sollen. Ihre Rechte sind in keiner Weise garantiert.

Wie schätzen Sie die Zukunft des Projekts ein?

Claret: Wir befürchten, dass es nicht mehr zu stoppen ist. Trotzdem werden wir weiter kämpfen. Denn Belo Monte ist bei weitem nicht das einzige Kraftwerk, das im Amazonasgebiet gebaut wird. Es ist nur ein Teil eines ganzen Plans, der viele neue Staudämme umfasst.