In Pakistan kamen bei einem Anschlag mindestens 20 Pilger um. - © APAweb / EPA
In Pakistan kamen bei einem Anschlag mindestens 20 Pilger um. - © APAweb / EPA

Islamabad/Quetta. Bei einem Anschlag in Pakistan sind 20 schiitische Pilger ums Leben gekommen. Eine Autobombe sei in der Nähe eines Buskonvois explodiert, teilten die Behörden am Sonntag mit. Die Zahl der Toten könne noch steigen. 24 Menschen wurden verletzt. Die Tat ereignete sich westlich von Quetta in der Provinz Baluchistan. Dieses Gebiet nahe der Grenze zum Iran wird immer wieder von Anschlägen erschüttert.

Entführte Polizisten getötet
Im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan haben Taliban-Kämpfer 21 Polizisten getötet. Die radikalen Islamisten hatten am Donnerstag zwei Polizeiposten überfallen und die Männer in ihre Gewalt gebracht. Nun wurden die von Kugeln durchsiebten Leichen gefunden, wie ein Sprecher der Lokalverwaltung am Sonntag mitteilte.

Einer der Entführten habe trotz mehrerer Schussverletzungen überlebt. Ein weiterer Polizist hätte den Taliban vor der Ermordung entkommen können, heißt es in der schriftlichen Erklärung. Er habe ebenfalls mehrere Verletzungen erlitten.

Die Lokalverwaltung erhofft sich Erkenntnisse über den Angriff auch von Stammesältesten, mit denen sie am Montag zusammenkommen wollte. Eine Gruppe der Taliban hatte sich nach Medienangaben zu dem Überfall am Donnerstag bekannt. Bei dem Feuergefecht vor Sonnenaufgang waren unmittelbar zwei Polizisten getötet und ein weiterer verletzt worden.

In der Unruheregion hatte zuletzt ein Taliban-Kommandant der pakistanischen Regierung einen Waffenstillstand vorgeschlagen. Voraussetzung dafür sei aber, dass die strengere Auslegung des islamischen Rechts (Scharia) eingeführt werde. Auch lehnte er es ab, die Waffen abzugeben. Die pakistanische Führung wies den Vorschlag zurück.

Pilger waren auf den Weg in den Iran
Zu dem Anschlag auf die Pilger bekannte sich zunächst niemand. In den Bussen waren insgesamt rund 180 Pilger unterwegs. Einer der Busse mit 45 Insassen wurde durch die Explosion schwer beschädigt und fing Feuer. Nach Angaben eines ranghohen Bezirksregierungsvertreters verbrannten die meisten Opfer. Einige der Verletzten schwebten in Lebensgefahr.

Die Pilger waren auf dem Weg in den benachbarten Iran. Der Anschlag ereignete sich im Bezirk Mastung in Baluchistan. Mastung ist etwa 30 Kilometer von der Provinzhauptstadt Quetta entfernt. In der Region kommt es immer wieder zu Gewalt zwischen Mitgliedern der sunnitischen Mehrheit und der schiitischen Minderheit. Außerdem ist Baluchistan eine Hochburg militanter Islamisten.

Die pakistanische Regierung steht wegen der sich häufenden religiös motivierten Gewalt im Land unter Beschuss, zu wenig dagegen zu unternehmen. Im August hatten Aufständische 19 Schiiten erschossen. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sind im laufenden Jahr mehr als 320 Schiiten in Pakistan ums Leben gekommen. Das Scheitern der Regierung, die Angreifer zu fassen und zu bestrafen, zeige, dass ihr die Auseinandersetzungen zwischen der mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung und den Schiiten gleichgültig seien, erklärte die Organisation. Einige sunnitische Religionsführer schürten mit Hetzreden und Interviews den Konflikt.

In Pakistan wie auch weltweit sind die meisten Muslime Sunniten. Etwa 20 Prozent der mehr als 180 Millionen Einwohner Pakistans gehören der schiitischen Glaubensrichtung an.