Rio de Janeiro. Die Sandkunst gehört zu Rios Copacabana-Strand wie die Caipirinha. Normalerweise zieren zwar aus Sand geformte Badenixen in knappsten Bikinis die Strandpromenade der Avenida Atlantica direkt am Meer. "Das passt aber nicht, wenn der Papst kommt", sagt Rogean Rodrigues. Deshalb hat er Franziskus in Lebensgröße aus Sand geformt, imprägniert, weiß angemalt und ihm einen Rosenkranz umgehängt. Der Papst aus Sand ist der Renner bei Touristen, die sich scharenweise mit dem Abbild des Pontifex fotografieren lassen.

Der 31-jährige Rogean ist kein Unbekannter in der Szene. Seit fast 20 Jahren schon baut er riesige Sand-Schlösser an den Stränden in Rio, in Bahia und in vielen Ländern Südamerikas und der Karibik. "Ich habe schon als kleiner Junge angefangen", sagt er stolz und blättert in einem Ordner, der Zeitungsartikel von ihm und seiner Sandkunst zeigt. Zu Ostern formt er riesige Osterhasen, zu Weihnachten gibt's Papai Noel (Weihnachtsmann) und erst kürzlich hat er das legendäre Maracana-Stadion in Kleinformat an den Strand gesetzt - in Originalfarbe und mit Sitztribünen und Spielfeld.

Fotos auf Facebook

Der Papst, der dem vorüberziehenden Touristenstrom zulächelt und winkt, steht schon einen Tag vor seinem wirklichen Eintreffen am Montag hoch im Kurs. "Eine Freundin hat ein Bild von sich und der Papst-Figur auf Facebook eingestellt", sagt Daniella, die sich mit ihrer Mutter auf der Bank und zu Füßen des Papstes fotografieren lässt. Auf der Promenade sind schon seit Tagen Pilgerscharen aus allen Ländern unterwegs. Auffallend sind vor allem die Argentinier mit hellblauen Fahnen. Sie wollen ihren im März zum Papst gewählten Landsmann in Rio begrüßen.

Auch Nonnen und Mönche flanieren bei heißen Temperaturen und in vollem Ornat über die Promenade. Überall sind Pilgergruppen in orangefarbenen Weltjugendtags-T-Shirts zu sehen. Die Vorfreude ist groß. Am Strand selbst sind riesige Gerüsttürme und ebenso gigantische Bildschirme installiert. Darunter aalen sich die Cariocas, wie die Einwohner Rios genannt werden, in der Sonne, spielen Fußball, Volleyball oder Strand-Tennis. "Wasser, Bier, Popcorn", rufen die Strandverkäufer, die die Liegestuhlreihen am Strand vor dem anbrausenden Meer unermüdlich ablaufen.

Millionen bei Kreuzweg erwartet

Über 1,5 Millionen Menschen werden nächsten Donnerstag an dem Strand zum traditionellen Papst-Willkommen erwartet. Zum gemeinsamen Kreuzweg werden es dann tags darauf vermutlich noch mal soviele. Zwar ist die Copacabana durch Karneval und Silvester an Massen-Veranstaltungen dieser Art gewöhnt. Doch Bürgermeister Eduardo Paes weiß um die logistische Herausforderung: "Stellen sie sich vor, das sind gleich zwei Silvester hintereinander an der Copacabana. Und wenn Sie denken, Sie könnten ausruhen, kommt das nächste Silvester in Guaratiba."

In Guaratiba, 60 Kilometer westlich von Rio, wird Papst Franziskus am 28. Juli die Abschlussmesse mit bis zu zwei Millionen erwarteten Pilgern zelebrieren. "O Papa" sorgt auch für Umsatz. Einkaufsketten werben mit seinem Konterfei für Musik-CDs und überall in der Sechs-Millionen-Einwohner-Stadt sind junge Touristen unterwegs, die sich beladen mit übergroßen Rucksäcken auf Englisch zu ihren Unterkünften durchfragen. Die wenigsten Cariocas sprechen Englisch, wiegen das Manko aber durch ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft mehr als auf.

"Nicht anfassen!"

Auch Sandkünstler Rogean empfängt Touristen mit ausgenommener Höflichkeit. Er kennt sich mit allen Fotoapparaten aus und knipst den ganzen Tag geduldig Strandflanierer, die sich vor seinem "Papa" postieren. Sie werfen mal zwei, mal fünf oder auch zehn Reais (bis zu 3,50 Euro) in seinen Spenden-Topf. "Aber nicht anfassen", mahnt er manchmal allzu forsche Touristen, die dem Sand-Papst die Hand geben wollen. Rogean kann auch das verstehen. Nichts würde er lieber tun, als dem echten Franziskus die Hand zu reichen. "Er kommt ja hier direkt vorbei. Vielleicht hält er ja kurz an", hofft der Sandkünstler aus Rio.