Vatikanstadt. Papst Franziskus hat am Montag im Gespräch mit Journalisten im Flug nach Rom nach seiner Brasilien-Reise das Thema der Existenz einer "Schwulen-Lobby" im Vatikan angesprochen. "Man schreibt viel über eine Schwulenlobby im Vatikan, doch ich habe keine Liste mit den Namen derjenigen, die daran beteiligt wären. Wenn jemand schwul ist und den Herrn sucht, wer bin ich, um ihn zu verurteilen? Man darf diese Personen nicht diskriminieren oder ausgrenzen. Die Kirche schaut nicht auf die Tendenz einer Person. Alle sind Brüder. Wenn sich jemand verliert, muss ihm geholfen werden. Man muss unterschieden, ob er eine anständige Person ist", wurde der Papst zitiert.

Das Problem seien seiner Ansicht nach die Lobbys. "Lobbys sind nicht gut, das bezieht sich auf politische Lobbys, Freimaurer-Lobbys und auch auf Schwulenlobbys", so der Heilige Vater.

Die Aussagen dürften den Spekulationen über die Hintergründe der "Vatileaks"-Affäre, die nach Ansicht von Beobachtern mit zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. beigetragen hatte, neuen Schwung verleihen. Italienische Medien hatten in diesem Zusammenhang von einer "Schwulen-Lobby" berichtet, die den Ende Februar aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Papst erpresst haben soll.

Heiligsprechung wird verschoben

Im Flugzeug gab Franziskus auch bekannt, dass der Termin für die Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. sowie Johannes Paul II. möglicherweise auf nächstes Jahr verschoben wird. Grund ist die Besorgnis über die Sicherheit der vielen polnischen Pilger. Sie müssten am 8. Dezember mitten im Winter per Bus die Reise nach Rom aufnehmen.