Tokio. Bald zweieinhalb Jahre nach der Fukushima-Katastrophe reißt die japanische Regierung öffentlichkeitswirksam die Kontrolle bei den Aufräumarbeiten am Unglücks-AKW an sich. Das Trostpflaster für den ohnehin bereits quasi-verstaatlichten Betreiber: eine großzügige Geldspritze, dieses Mal in Höhe von 47 Milliarden Yen (360 Millionen Euro) aus öffentlichen Geldern. Premierminister Shinzo Abe begründete dies damit, dass es Tokyo Electric Power (Tepco) nicht alleine schaffe, den Mengen an kontaminiertem Wasser und anderen Problemen Herr zu werden.

Bei Kritikern sorgte der Zeitpunkt für Stirnrunzeln - kurz vor dem Abschalten des letzten noch laufenden Reaktors am 15. September und wenige Tage vor der Entscheidung des Olympischen Komitees darüber, wer 2020 die Spiele ausrichten darf - Madrid, Istanbul oder Tokio.

Bei der Bewältigung der Fuku-shima-Krise wolle man "anders als bisher" den Abbau der Anlage nach einem grundlegenden Plan angehen, sagte Abe am Dienstag bei einem Treffen der Kommission zur AKW-Krisenbekämpfung, eingerahmt von den wichtigsten Ministern. Sie hatten sich versammelt, um der Welt ihr Engagement im Kampf gegen das AKW-Desaster zu demonstrieren. Abe war sich dessen bewusst: "Die Welt beobachtet uns um zu sehen, ob wir das Atomkraftwerk Fukushima dekomissionieren können, die Probleme mit kontaminiertem Wasser eingeschlossen."

In den letzten Wochen hatte eine "Wasserkrise" nach der anderen die Medien im In- und Ausland beherrscht. Erst war es radioaktives Grundwasser unter dem AKW Fukushima Daiichi, das fast seit Beginn der Krise in den Pazifik geflossen war. Dann wurde bekannt, dass hochverstrahltes Reaktorkühlwasser aus undichten Tanks ins Erdreich gesickert war. Am Wochenende waren schließlich in der Nähe der Tanks "Hotspots" mit hoher Strahlung entdeckt.

Abe reist nach Buenos Aires


Jedes Leck, jeder Hotspot treibt Abe den Schweiß auf die Stirn: Er fürchtet, dass das Japan den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 kostet - und damit den Imagegewinn, den sich der nationalistische Premier und seine konservativen Anhänger erhoffen. Abe wird selbst nach Buenos Aires fliegen, wo am Samstag die Entscheidung bekanntgegeben wird, um zu demonstrieren, dass Tokio, das 230 Kilometer vom Unglückskraftwerk entfernte Tokio ist, ein sicherer Austragungsort sein könne.

Das lässt sich seine stark verschuldete Regierung mit Hilfe der Steuerzahler einiges kosten: 32 Milliarden Yen sind dafür vorgesehen, Erde rund um das AKW einzufrieren, um zu verhindern, dass Grundwasser in die Anlage hinein und von dort Kühlwasser heraustritt. Bis März 2015 soll dies dauern, der Wall 1,4 Kilometer lang werden. Die Zeitung "Asahi" berichtete, dass der Bau einer solchen Eismauer bisher noch nie in dieser Größenordnung über einen längeren Zeitraum versucht worden sei. Doch die Dekomissionierung der Anlage wird rund 40 Jahre dauern. 15 Milliarden Yen werden dafür verwendet, das "Alps" (Alpen) genannte Wasserrecyclingsystem zu verbessern. Es soll in der Lage sein, 62 radioaktive Substanzen zu entfernen. Zum Vergleich: Bisher kosteten allein die Arbeiten am havarierten AKW Tepco rund 960 Milliarden Yen, die Kosten für den Import fossiler Brennstoffe und Entschädigungen noch nicht einberechnet.