Der Start der Sonde war erfolgreich, doch die Mission gilt als sehr kompliziert. - © epa
Der Start der Sonde war erfolgreich, doch die Mission gilt als sehr kompliziert. - © epa

Neu Delhi. Indien hat am Dienstag eine Mars-Sonde ins Weltall geschickt und so der Kritik an der Mission getrotzt. Eine Trägerrakete mit dem 1,35 Tonnen schweren Satelliten Mangalyaan hob am frühen Nachmittag von der Insel Shriharikota nahe der Stadt Chennai an der Südostküste des Landes ab. Die unbemannte Forschungssonde soll nach einer fast einjährigen Reise von 780 Millionen Kilometern neue Erkenntnisse über Atmosphäre und Beschaffenheit des roten Planeten offenbaren.

Das Vorhaben war in Indien auf viel Unverständnis gestoßen. Das Land mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise, Rekordinflation und Armut. Fast die Hälfte der indischer Kinder ist unterernährt.

Mit der 73 Millionen Dollar teuren Prestige-Mission will Indien sich seinen Platz unter den Raumfahrtnationen erkämpfen und seinen regionalen Rivalen China zumindest im Weltall abhängen. Vor gut 15 Monaten war eine Mars-Expedition der Chinesen gescheitert. Daraufhin hatte Indien seine Ambitionen verkündet, den roten Planeten zu erforschen. Sollte Mangalyaan - was in der Landessprache Hindi Mars-Schiff bedeutet - tatsächlich an sein Ziel gelangen, so wäre Indien unter den großen Raumfahrtnationen gelandet: Bisher können lediglich die USA, Russland und die Europäischen Raumfahrtbehörde eine erfolgreiche Mars-Mission vorweisen. Laut Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa sind von den bisher 40 Missionen zum Planeten nur 16 erfolgreich gewesen. Manche Raum-Sonden haben den Mars völlig verfehlt, andere zerschellten an ihm.

Mini-Modell der Rakete im Tempel gesegnet


Der Chef der indischen Raumfahrtbehörde, K. Radhakrishnan, hatte sich für seine Mars-Mission Hilfe von ganz oben erbeten. Im über 2000 Jahre alten hinduistischen Ventakeswara-Tempel in Tirupati, etwa 100 Kilometer von der Bodenstation entfernt, ließ er kurz vor dem Start ein Mini-Modell der Rakete und des Mars-Schiffes traditionell segnen.

"Es ist eine lange Mission, das Raumschiff wird den Mars voraussichtlich am 24. September 2014 erreichen", sagte er Reportern. Das technisch riskante Projekt kann göttliche Eingabe brauchen. Weil die ursprünglich für die Mars-Mission vorgesehene Trägerrakete explodierte, muss viel Improvisation herhalten, um Mangalyaan zu den Sternen zu befördern. Es ist vorgesehen, die Sonde in der Erdumlaufbahn so lange kreisen zu lassen werden, bis sie genug Fahrt bekommt, um es bis zur Endstation Mars zu schaffen. Dazu sind eine ganze Reihe komplexer Steuer-Manöver der Raumsonde nötig.

Im Vorfeld hatte die ehrgeizige Mission Indiens für scharfe Kritik gesorgt. Gegner bezeichneten die Mars-Ambitionen als "Wohlfühl-Projekt". Es sei ein "Symptom für das wahnhafte Streben von Indiens Elite nach Supermacht-Status", sagte der Wirtschaftswissenschafter Jean Dreze der indischen Nachrichten-Website "Firstpost". "Ich glaube nicht, dass es wissenschaftlich viel Sinnvolles bringt", urteilte der frühere Leiter der Raumfahrbehörde des Landes, G Madhavan Nair. Die Mission sei eine Verschwendung nationaler Ressourcen, das Projekt sei nur "halbgebacken und halbgekocht", sagte der Wissenschaftler.

Die Kritik erfolgte vor dem Hintergrund, dass Indien gerade eine schwere Wirtschaftskrise und eine Rekordinflation erlebt. Die Regierung von Premier Manmohan Singh steht unter Erfolgsdruck. Laut Umfragen könnte die Opposition die Parlamentswahlen Mitte 2014 gewinnen. Als Singh vor 15 Monaten den Beginn des Mars-Projektes verkündete, hatte gerade der schlimmste Stromausfall in der Geschichte Indiens das Land über mehrere Tage lahmgelegt - für etwa 600 Millionen Menschen war die Versorgung aus dem nationalen Elektrizitätsnetz unterbrochen.

Indiens Raumfahrtbehörde hatte vor fünf Jahren eine Mond-Sonde ins All geschickt. Die Mission war von zahlreichen Rückschlägen begleitet - bereits nach sechs Monaten verloren die Wissenschafter den Kontakt mit dem Fluggerät. Diesmal hoffen die etwa 1000 Wissenschafter, die an der Mars-Mission beteiligt sind, dass für Mangalyaan die Sterne besser stehen.