Eine Mutter in Cebu versucht ihre Kinder zu schützen, während der Taifun über sie hinwegfegt. Laut Behörden brachte er mehr als 12 Millionen Menschen in Gefahr. ap/reuters
Eine Mutter in Cebu versucht ihre Kinder zu schützen, während der Taifun über sie hinwegfegt. Laut Behörden brachte er mehr als 12 Millionen Menschen in Gefahr. ap/reuters

Manila. (ag/red) "Hier fliegen Stahlbleche herum wie Papierdrachen", sagte Mai Zamora von World Vision telefonisch der britischen BBC. Der bislang stärkste Wirbelsturm des Jahres wütete am Freitag auf den Philippinen und versetzte ganze Landstriche ins Chaos. Er trieb mindestens eine Million Menschen in die Flucht. Mit Böen von mehr als 300 Kilometern pro Stunde dürfte es sich bei "Haiyan" ("Sturmvogel") um den stärksten Taifun handeln, der jemals auf Land traf. Mit Ausläufern erreichte der Wirbelsturm einen Durchmesser von 600 Kilometern. Meteorologen zufolge sprengt er damit alle Kategorien. Ersten Angaben zufolge kamen mindestens drei Menschen ums Leben.

Laut der philippinischen Regierung starben zwei Menschen durch Stromschläge wegen herabgerissener Kabel, ein drittes Opfer wurde vom Blitz getroffen. Ein Mann galt als vermisst, nachdem er von einem Landungssteg im Hafen Cebu gestürzt war. Die meisten Verletzten wurden durch umherfliegende Trümmer verwundet.

Angst vor hohen Opferzahlen


Die Behörden rechneten aber mit steigenden Opferzahlen, weil die am schwersten betroffenen Gebiete vorerst von der Außenwelt abgeschlossen waren. Es wurde allerdings nicht erwartet, dass es so schlimm kommt wie 2012, als der Taifun "Bopha" etwa 1100 Menschen in den Tod gerissen hatte.

Vielerorts blies der Sturm ganze Häuser weg, Strom- und Telefonleitungen waren unterbrochen. Der Seeverkehr wurde größtenteils eingestellt, 13 Flughäfen geschlossen. Mehr als zwölf Millionen Menschen waren nach Behördenangaben in akuter Gefahr - darunter auch die 2,5 Millionen Einwohner von Cebu-Stadt. Die Hauptstadt Manila blieb verschont.

Haiyan fegte über den Norden der Provinz Cebu und die Insel Borocay hinweg - beides beliebte Touristenziele. Zuvor war der Sturm mit voller Wucht über die zentralen Inseln Leyte und Samar gezogen und hatte in Küstennähe bis zu fünfzehn Meter hohe Wellen aufgepeitscht.

Rund eine Million Menschen suchten in Schutzräumen Unterschlupf. Präsident Benigno Aquino hatte am Vortag die Menschen in besonders gefährdeten Regionen aufgefordert, Küstenorte, Flussufer und Berghänge zu verlassen und sichere Gebiete aufzusuchen. Besonders bedroht waren zudem die Einwohner der Insel Bohol, wo seit einem Erdbeben im Oktober mit mehr als 220 Todesopfern noch immer 350.000 Menschen in Zeltstädten leben. "Der Strom auf der gesamten Insel ist ausgefallen und die Straßen sind menschenleer", sagte Lionel Dosdosa von der Internationalen Organisation für Migration.

"Wir erwarten erhebliche und niederschmetternde Schäden durch Haiyan und natürlich befürchten wir auch, dass er viele Menschenleben kosten wird", sagte Anna Lindenfors, Direktorin der NGO "Save the Children" auf den Philippinen.

Super-Taifun Haiyan ist bereits der 24. Sturm der Saison auf den Philippinen und der fünfte Taifun der höchsten Kategorie 5 auf dem Pazifik. Das Land wird im Jahr von durchschnittlich 20 schweren Stürmen heimgesucht. Es ist besonders betroffen, weil seine Inseln oftmals die ersten größeren Landmassen auf dem Weg der Stürme über den Pazifik sind. Wissenschafter befürchten, dass die Erderwärmung die Unwettergefahr für die Philippinen noch vergrößert. Zudem können im Vergleich zu Hurrikanen, die geografisch über dem Atlantik und zeitlich etwa von Juni bis November entstehen, Taifune über dem Pazifik das ganze Jahr über auftreten.

Taifun zieht weiter


Bis in die Freitagabendstunden wütete der pazifische Sturm über den philippinischen Inseln, bevor er unter Abschwächung über das Südchinesische Meer weiter in Richtung Vietnam und Laos zog. In Vietnam liefen die Vorbereitungen auf den Wirbelsturm am Freitag bereits auf Hochtouren. Laut staatlichem Radiosender "Stimme Vietnams" hatte man bereit mit ersten Evakuierungen begonnen. Meteorologen zufolge soll Haiyan am Sonntag dort auf Land treffen.