New York. Sie ist keine klassische Schönheit: eine Lücke zwischen den Schneidezähnen, kleiner Silberblick, die Nase leicht schief. Doch trotz oder vielleicht gerade wegen dieser Makel hat Lauren Hutton seit Jahrzehnten einen festen Platz auf dem Laufsteg und auf den Titelseiten von Modemagazinen. Die zarte, blonde US-Amerikanerin, die am kommenden Sonntag 70 Jahre alt wird, gilt als Supermodel der ersten Stunde. Und ihre Karriere ist längst noch nicht beendet. Als Senior-Model ist Hutton weiter ausgebucht.

Unkorrigierte Naturschönheit
Mit 21 Jahren kam Mary Laurence Hutton aus Florida nach New York. Mit kleinen Model-Jobs wollte sie nur schnell etwas Geld zum Reisen verdienen, doch dann wurde sie von der Elite-Agentur Eileen Ford unter Vertrag genommen. Mit der Auflage, die Zahnlücke und die Nase richten zu lassen. Dazu kam es nicht. Als Naturschönheit mit frech-erotischer Ausstrahlung hob sich Hutton von den stark geschminkten Models der 1960er-Jahre ab. Sie war das neue Gesicht.

Die exzentrische "Vogue"-Chefin Diana Vreeland setzte Hutton mehr als 25 Mal aufs Titelblatt des Modemagazins. Starfotografen wie Richard Avedon und Helmut Newton rissen sich um die Blondine. Mit 30 Jahren wurde sie als Revlon-"Gesicht" zum Millionen-Dollar-Model. Es war der erste Vertrag in der Branche, der ein Model exklusiv mit einer Kosmetikfirma verband. Hutton ebnete damit den Weg für Supermodels wie Cindy Crawford oder Christy Turlington.

Abstecher ins Filmgeschäft
Sie machte auch als Schauspielerin Karriere. 1970 drehte Hutton mit Robert Redford den Rennsportfilm "Stromer der Landstraße". In "Ein Mann für gewisse Stunden" (1980) wurde sie von Richard Gere verführt, in der Vampirkomödie "Einmal beißen bitte" (1985) war Jim Carrey ihr Opfer.

Der Kosmetik-Vertrag mit Revlon lief aus, als sie 40 wurde, doch schon fünf Jahre später feierte Hutton ein Comeback. Die italienische "Vogue" rückte sie als älteres Model wieder ins Rampenlicht und respektierte ihren Wunsch, ihr wahres Alter zu zeigen, ohne Schönheitsoperationen. Mit 50 kam sie wieder bei Revlon unter Vertrag, mit 61 Jahren ließ sie für die Zeitschrift "Big" die Hüllen fallen.

Von Afrika bis zur Arktis
Schön, rebellisch und abenteuerlustig war sie schon immer. Sie lebte im afrikanischen Busch, fuhr mit dem Hundeschlitten durch die Arktis und machte Tiefseetauchen zu ihrem Hobby. Mit 56 Jahren wurde Hutton bei einem Motorradunfall schwer verletzt. Mit Kollegen wie Dennis Hopper und Jeremy Irons brauste sie damals durch die Wüste von Nevada. Hutton erholte sich von schweren Knochenbrüchen und brachte wenig später ihre eigene Kosmetikserie auf den Markt - zugeschnitten auf ältere Frauen, auch wenn sie selbst ewig jung zu sein scheint.