Singapur. Nach den schwersten Protesten seit mehr als vier Jahrzehnten in Singapur geht die Polizei massiv gegen beteiligte Wanderarbeiter vor. Fast 3900 Einwanderer seien seit den Ausschreitungen am Sonntag befragt worden, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. 3700 von ihnen hätten direkt in ihren Wohnstätten eine Aussage gemacht, 176 weitere seien auf Polizeireviere gebracht worden.

Tod eines Arbeiters als Auslöser

Mehr als zwei Dutzend Arbeiter aus Indien wurden wegen der Unruhen inzwischen angeklagt. Ausgelöst wurden die Proteste durch den Tod eines indischen Bauarbeiters, der von einem Kleinbus überfahren worden war. Der aus Singapur stammende Fahrer wurde inzwischen gegen Kaution freigelassen. Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Nach Behördenangaben waren rund 400 Ausländer an den Ausschreitungen in der Nacht zum Montag beteiligt. 39 Sicherheits- und Rettungskräfte seien verletzt sowie zwei Dutzend Fahrzeuge beschädigt oder angezündet worden.

Die Justiz des Stadtstaates klagte am Mittwoch drei weitere Männer aus Indien wegen der Unruhen an, nachdem am Vortag bereits 24 ihrer Landsleute desselben Tatbestands beschuldigt worden waren. Ihnen drohen bis zu sieben Jahre Haft und Prügelstrafen.

Harte Strafen für kleine Vergehen

Im wohlhabenden Stadtstaat Singapur unterliegt das öffentliche Leben strikten Kontrollen, selbst geringfügige Vergehen können mit harten Strafen geahndet werden. Revolten gegen die Sicherheitskräfte sind äußerst selten.

Ähnliche Ausschreitungen wie nun gab es zuletzt im Jahr 1969, als ethnische Unruhen den Stadtstaat erschütterten und zu einer drastischen Verschärfung des Demonstrationsrechts führten. Singapur hat rund 5,4 Millionen Einwohner. Davon sind knapp 700.000 Einwanderer, die vor allem im Bau- und Schifffahrtssektor arbeiten und befristete Aufenthaltsgenehmigungen haben.