Phnom Penh/Dhaka. (klh) Zwei Wochen verliefen die Demonstrationen der Textilarbeiter in Kambodscha für höhere Löhne weitgehend friedlich. Doch dann erließ die Regierung den Räumungsbefehl. Die Folge waren heftige Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten.

In der Hauptstadt Phnom Penh schossen die Militärpolizisten am Freitag gar mit scharfer Munition auf protestierende Textilarbeiter. Die Demonstranten hatten die Sicherheitskräfte mit Steinen, Flaschen und Benzinbomben beworfen, als diese versucht hatten, die Kundgebung aufzulösen. Mindestens vier Personen wurden getötet, berichteten Menschenrechtler. Die Zusammenstöße ereigneten sich vor einem Industriepark, in dem etwa für Adidas, Puma oder H&M produziert wird.

Die Gewerkschaften fordern eine Verdoppelung des Mindestlohns von derzeit umgerechnet 57 Euro im Monat. Die Regierung hat zwar eine Erhöhung auf 70 Euro zugesagt, doch den Arbeitnehmervertretern geht das nicht weit genug. Die Inflation würde damit nicht abgedeckt. Die Reallöhne in der Textilbranche - einem wichtigen Devisenbringer für das südostasiatische Land - sind in den vergangenen Jahren um 30 Prozent gesunken.

Ob die Regierung von Premier Hun Sen die Proteste durch ihr gewaltsames Vorgehen stoppen wird können, ist fraglich. Menschenrechtler warnen, dass dadurch die Wut der Arbeiter nur noch mehr angeheizt wurde. Und überhaupt könnte es ungemütlich für Hun Sen werden: Die Gewerkschaften verbünden sich zusehends mit der Opposition, die Neuwahlen fordert.

Lohnstreit in Bangladesch


Die Lohnfrage beschäftigt aber nicht nur Kambodscha, sondern auch Bangladesch, wo die Textilbranche der wichtigste Exportzweig ist. Auch hier hat die Regierung eine Erhöhung des Mindestlohns - von umgerechnet 38 auf 50 Euro - zugesagt, und auch hier ist es den Gewerkschaften zu wenig. "Der Lohn reicht nicht aus, damit die Familien der Beschäftigten ihr Leben bestreiten können", sagt die Aktivistin Kalpona Akter, die das "Zentrum für Arbeiter-Solidarität in Bangladesch" leitet. Wegen der angespannten Lage im Land rund um die Parlamentswahl am Sonntag hat es zuletzt zwar keine Proteste der Textilarbeiter gegeben, aber Akter meint, dass diese bald wieder ausbrechen könnten - nämlich am 7. Jänner, wenn die Arbeiter ihre Gehaltszettel bekommen.

Generell würden die Arbeiter nun stärker auf ihre Rechte pochen, berichtet Akter. Das würde sich bei der Gebäudesicherheit zeigen. Die Beschäftigten würden sich nun oft weigern, in Fabriken weiterzuarbeiten, in denen sie Risse in der Wand entdecken. Diese hatten sich ja auch in der Fabrik Rana Plaza gezeigt, wo die Beschäftigten aber gezwungen wurden weiterzuarbeiten. Der Einsturz des Gebäudes im April vergangenen Jahres war die größte Tragödie in Bangladeschs Textilindustrie: 1135 Menschen starben. Als Folge davon waren einige westliche Firmen bereit, ein Abkommen über Gebäudesicherheit mit den Gewerkschaften und der Regierung zu unterzeichnen. Im Großteil der Fabriken Bangladeschs sollen bald verstärkte Sicherheitskontrollen stattfinden.

Zudem wurde ein Entschädigungsfonds wegen der Rana-Plaza-Katastrophe in der Höhe von 29 Millionen Euro eingerichtet. Ende Dezember beteiligten sich daran die vier Konzerne Primark, El Corte Ingles, Loblaw und Bonmarche. Kleidung gefertigt wurde im Rana Plaza laut Gewerkschaften für rund 30 Firmen, darunter etwa Kik oder Mango.