Chicago/Kuala Lumpur/Peking.

Die Flugzeugkatastrophe der vermissten Boeing 777 hat jetzt auch, wie es scheint, ein Nachspiel vor Gericht: Dem US-Flugzeughersteller und der Malaysia Airlines droht eine Klage von Angehörigen der Passagiere des vermutlich über dem Indischen Ozean abgestürzten Flugzeugs. Hintergrund sei die Vermutung, dass die Maschine wegen eines technischen Fehlers abgestürzt sei, erklärte die US-Kanzlei Ribbeck.

Die Anwälte aus Chicago gingen davon aus, bei einer Klage in den USA voraussichtlich die Familien von mehr als der Hälfte der Passagiere zu vertreten. Vor einem Gericht im Bundesstaat Illinois sei bereits ein Antrag gestellt worden, um mögliche Konstruktions- oder Herstellungsmängel der Boeing 777 feststellen zu können. Eine Klage solle in Kürze folgen. Neben Entschädigung in Millionenhöhe für die Hinterbliebenen soll von Boeing auch eine Überarbeitung der gesamten 777er-Flotte gefordert werden. Die Kanzlei vermutet als Grund für das Verschwinden des Flugzeugs, dass Pilot und Co-Pilot ohnmächtig geworden sind. Mögliche Ursache seien entweder ein Brand wegen eines technischen Defekts oder ein Druckabfall in der Kabine nach einem Schaden am Flugzeug, erläuterten die Anwälte. "Bis ihm der Treibstoff ausging, war das Flugzeug für mehrere Stunden als Geisterflugzeug unterwegs", sagte Ribbeck-Juristin Monica Kelly. Schadenersatzzahlungen könnten Malaysia Airlines in Schwierigkeiten bringen: Seit drei Jahren verdient die Fluggesellschaft zu wenig Geld, um die Kosten zu decken.

Neue Trümmer entdeckt?


Indessen haben neue Satellitenbilder die Hoffnung geweckt, bald Wrackteile der verunglückten Maschine zu finden. Die Aufnahmen zeigten 122 Trümmer, womöglich von dem vermissten Flugzeug. "Wir müssen betonen, dass wir nicht wissen, ob diese Objekte zu Flug MH370 gehörten", sagte der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein. Noch ist keiner der möglichen Wrackteile gefunden beziehungsweise identifiziert worden. Australiens Premierminister ließ durchblicken, dass die Suche nicht ewig fortgesetzt werden könne. Chinas Regierungschef sagte dagegen, es würden keine Mühen gescheut.

Nach Ansicht von Forschern wird es wegen der Strömungen im Meer immer schwieriger, die Absturzstelle noch zu finden. Nach Angaben Husseins sind einige Teile auf den neuen Satellitenbildern bis zu 23 Meter lang. Die Aufnahmen stammten vom vergangenen Sonntag und zeigten die Region, die bereits mit Flugzeugen und Schiffen abgesucht wird: etwa 2500 Kilometer südwestlich von Perth in Australien. Die Stelle liegt auf halber Strecke zwischen Australien und der französischen, subantarktischen Inselgruppe Kerguelen.