Abuja. Die meisten der etwa 130 in Nordnigeria verschleppten Schulmädchen sind entgegen anderslautenden Berichten weiter in der Hand ihrer islamistischen Entführer. Bis Freitagmittag seien erst 30 wieder in Freiheit gelangt, berichtete der Erziehungsminister im Bundesstaat Borno, Musa Kubo, am Freitag in Maiduguri.

Teilweise sei den Mädchen noch während der Entführungsaktion in der Nacht zum Dienstag die Flucht gelungen. Die meisten anderen seien noch in der Gewalt der islamistischen Sekte Boko Haram, sagte Militärsprecher Chris Kolade am Freitag in Kano.

Hohe Belohnung ausgesetzt
Zuvor hatte es widersprüchliche Angaben über die Zahl der entführten und befreiten Schülerinnen gegeben. Der Gouverneur von Borno, Kashim Shetima, setzte am Donnerstag eine Belohnung von 300.000 Dollar (217.000 Euro) für Hinweise aus, die zur Rettung der Mädchen beitragen können. Die Zeitung "Punch" schrieb, dass neben Soldaten auch Polizisten und viele Freiwillige den Busch nach dem Versteck der Terroristen durchkämmten.

Nigerianische Anti-Terror-Einheiten waren auch am Freitag auf der Suche nach den entführten Mädchen, betonte der Militärsprecher. Boko Haram hat nigerianischen Berichten nach schon häufiger Mädchen und Frauen entführt; oft würden sie als Sexsklavinnen missbraucht.

Die Islamisten überziehen das bevölkerungsreichste Land Afrikas unvermindert mit Terror. Boko-Haram-Kämpfer griffen der Zeitung "This Day" vom Donnerstag zufolge am Vortag das Dorf Wala im Nordosten Nigerias an und töteten dort 18 Menschen. Viele weitere seien verletzt worden. "Wir leben in einer schwierigen Zeit. Tod und Morde sind mittlerweile an der Tagesordnung", sagte ein Behördensprecher.

Es handelt sich um den dritten schweren Anschlag der Extremisten in dieser Woche. Boko Haram soll am Montag auch den schweren Bombenanschlag auf einen Busbahnhof in der Hauptstadt Abuja mit vermutlich weit über 200 Opfern verübt haben.

Die Sekte strebt vor allem im Norden Nigerias einen islamischen Gottesstaat an. Seit 2009 sollen ihrem Terror bereits etwa 6.000 Menschen zum Opfer gefallen sein.

Ungeachtet des Terrors soll vom 7. bis 9. Mai in der Hauptstadt Abuja der Afrika-Gipfel des Weltwirtschaftsforums stattfinden. Die nigerianische Regierung will nach eigenen Angaben mit mehreren Tausend zusätzlichen Sicherheitskräften die internationale Veranstaltung sichern. Zu deren Jahrestreffen in verschiedenen Metropolen Afrikas kommen meist mehr als tausend Teilnehmer - darunter zahlreiche Regierungschefs und Minister verschiedener Staaten sowie prominente Experten aus aller Welt.