Freetown/Monrovia/Abuja. Man kann Ebola nicht einschließen, sagen Gesundheitsexperten. Dennoch machten die von der bisher schwersten bekannten Ebola-Epidemie der Welt betroffenen Staaten Sierra Leone, Liberia, Guinea und auch umliegende Länder ihre Grenzen dicht. Zusätzlich rief Ernest Bai Koroma, der Präsident von Sierra Leone, am Mittwochabend den Gesundheitsnotstand aus. Es ist ein Zeichen dafür, dass sich in Westafrika angesichts der völlig außer Kontrolle geratenen Epidemie, die bisher 729 Menschenleben forderte, eine gewisse Panik breitmacht. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, will Sierra Leone gar ganze Gebiete abriegeln und unter Quarantäne stellen. Liberia schloss unterdessen vorübergehend alle Schulen. Auch eine Einschränkung des Flugverkehrs wurde diskutiert, jedoch hielten sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung (IATA) das für nicht nötig.

Ohnehin sei von solchen Vorkehrungen nicht viel Wirkung zu erwarten, sagt Herwig Kollaritsch, Spezialist für Epidemiologie an der Medizinischen Universität Wien. "In den Hauptstädten hat die Ausrufung des Gesundheitsnotstandes den Vorteil, dass dadurch ein direkteres Durchgreifen gegen die Krankheit möglich wird. Ansonsten wird es nicht viel bringen." Hinzu komme, dass die Landbevölkerung über solche Maßnahmen oft nicht ausreichend informiert werde.

Die rasche Ausbreitung der Krankheit liege an den schwachen Gesundheitsstrukturen in der Gegend. "Ebola ist normalerweise relativ schwer übertragbar, weil die meisten Menschen schnell und nachhaltig erkranken und dann im Spital liegen oder sterben", sagt Kollaritsch. Das Problem bei der gegenwärtigen Epidemie in Westafrika sei, dass die medizinische Infrastruktur der betroffenen Länder nicht ausreiche, um infizierte Personen rechtzeitig zu isolieren. Hinzu komme, dass Ebola eine sehr seltene Krankheit sei und es daher nur wenige Ärzte gebe, die damit Erfahrung hätten.

Mittlerweile ist dem Virus auch ein beliebter Virologe aus Sierre Leone zum Opfer gefallen. Sheik Umar Khan starb vergangene Woche in einem Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Kailahun. "Er war ein extrem engagierter und mutiger Arzt, der sich sehr um seine Patienten kümmerte", sagt Florian Lems von MSF Österreich. Man habe häufig mit ihm zusammengearbeitet und sei sehr betrübt über seinen Tod.