Monrovia. (jum) Liberia hätte mit dem tödlichen Ebola-Virus schon mehr als genug Sorgen, doch es kam noch schlimmer: Erstmals haben Sicherheitskräfte auf eine aufgebrachte Menschenmenge geschossen, die aus der Isolationszone in der Hauptstadt Monrovia ausbrechen wollte. Vier Personen wurden dabei verletzt. Dadurch dürften sich die Gräben zwischen den angsterfüllten Liberianern und ihrer Regierung weiter vertiefen.

Der Aufstand ereignete sich in West Point, einem Slum Monrovias, der als Epizentrum der Ebola-Seuche gilt. Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, war das gesamte Viertel unter Quarantäne gestellt worden. Schon seit der Ankündigung dieser Maßnahme wehren sich viele der 75.000 Bewohner dagegen. Denn innerhalb der isolierten Zone ist die Ansteckungsgefahr deutlich höher und die medizinische Versorgung nur dürftig. Nachdem Sicherheitskräfte die Straßen zum Nachbarviertel mit Tischen, Sesseln und Stacheldraht verbarrikadiert hatten, eskalierten die Unruhen schließlich. Dass Polizisten ein Regierungsmitglied samt Familie aus der Zone bringen wollten, hat die Bewohner wahrscheinlich zusätzlich angestachelt. Zunächst setzte die Polizei nur Tränengas ein, um die mit Steinen werfenden Demonstranten zu verjagen. Augenzeugen zufolge eröffneten Soldaten das Feuer, doch der genaue Hergang ist noch unklar. Auch über den Zustand der vier Verletzten ist nichts bekannt.

Dessaline Allison, Sprecher der liberianischen Armee, bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Soldaten scharfe Munition einsetzen. Er hat jedoch Zweifel daran, dass die vier Opfer durch Schüsse verletzt wurden: "Es wird medizinische Gutachten darüber geben, ob die Verletzungen von Schusswunden stammen." Er beteuert, dass die Soldaten den Einsatzregeln entsprechend gehandelt hätten.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen allein in Liberia schon 576 Menschen durch Ebola ums Leben. Auch Sierra Leone, Guinea und Nigeria macht das Virus zu schaffen, an dem bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben. Insgesamt zählte die WHO bisher 1350 Tote und 2200 Infizierte. Liberia führt die Totenstatistik an.

Experten schätzen, dass sich der Kampf zur Eindämmung noch Monate hinziehen wird. Die Situation könnte sich weiter verschlechtern, besonders in Nigeria, wo bisher erst wenige Menschen an Ebola starben. Es wird stark bezweifelt, ob das bevölkerungsreiche Land der Epidemie rechtzeitig entgegenwirkte.

Die Welthungerhilfe sieht nun eine humanitäre Krise auf die Ebola-Gebiete zukommen. Durch die geschlossenen Grenzen kam der Handel zum Erliegen, außerdem werden die Felder kaum noch bewirtschaftet. Folglich könnte die Gesundheitskrise in eine Hungerkrise übergehen.