Genf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt nach Angaben einer Sprecherin derzeit eine Strategie für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika. Darin würden konkrete Maßnahmen festgelegt, wie die WHO und ihre Partner in den kommenden sechs bis neun Monaten vorgehen sollten, sagte Fadela Chaib am Freitag vor Journalisten in Genf.

Auf die Frage, ob der genannte Zeithorizont bedeute, dass die WHO mit einer Dauer der Epidemie bis 2015 rechne, sagte sie: "Niemand weiß, wann dieser Ebola-Ausbruch gestoppt sein wird." Die westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone sind am schwersten von der Ebola-Epidemie betroffen. Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas, Nigeria, ist es bisher nach ersten Fällen offenbar gelungen, eine stärkere Verbreitung der Viruserkrankung zu verhindern. Nach Angaben der WHO sind inzwischen mehr als 1.300 Menschen an Ebola gestorben.

Auch David Nabarro, Ebola-Gesandter der Vereinten Nationen (UNO) meint, dass man keine seriösen Aussagen über die längerfristige Entwicklung treffen könne. Derzeit sei alles möglich; "dass wir kurz vor dem Höhepunkt der Epidemie stehen und sie dann zurückgeht oder dass sie kurzzeitig zurückgeht, um dann mit aller Macht wieder aufzuflammen."

Vor allem Liberia scheitert trotz drakonischer Maßnahmen, wie der Abriegelung von Stadtvierteln und einer nächtlichen Ausgangssperre  an der Kontrolle der Epidemie. Das liberianische Rote Kreuz (RK) hat bereits vorgeschlagen, eine internationale Organisation anstelle der Regierung mit dem Kampf gegen die Seuche zu beauftragen. Als Beispiel für die allgemeine Überforderung schilderte RK-Generalsekretärin Fayah Tamba die Zustände im einzigen Krematorium des Landes: Zwar gelinge es immer besser, Ebola-Tote zu isolieren - doch könnten sie nicht eingeäschert werden, da dies die Kapazitäten des Krematoriums sprenge.

Insgesamt sind nach WHO-Angaben mehr als 1.350 Menschen an Ebola gestorben. Es wurden etwa 2.500 Erkrankungen und Verdachtsfälle registriert.

Ein großes Problem sieht die WHO allerdings darin, dass Kranke versteckt und Leichen oft ohne Benachrichtigung der Behörden beerdigt würden. Nach Erkenntnissen der WHO gibt es auch Gebiete, in denen wegen Personalmangel oder mangelnder Unterstützung vor Ort keine Ebola-Nachforschungen möglich sind. Der Organisation zufolge bleiben vor allem in Liberia und Sierra Leone viele Fälle unentdeckt.

Die Weltgesundheitsorganisation will sich Anfang September (4. und 5. September) mit möglichen Behandlungen des Ebola-Virus befassen. Mehr als 100 Experten sollen experimentelle Therapien und Vakzine diskutieren und überlegen, wie die Studien mit diesen Präparaten vorangetrieben und die Produktion neuer Mittel beschleunigt werden könnte.

Therapien und Vakzine

Ein Beispiel dafür ist das Präparat ZMapp aus monoklonalen Antikörpern. Es wurde bisher bei sechs Patienten angewendet. Obwohl in den vergangenen Tagen zwei US-Patienten, ein Arzt und eine Krankenschwester jene Klinik, in der sie in den Vereinigten Staaten damit behandelt worden waren, genesen verlassen konnten, weiß niemand, ob das auch auf das Mittel zurückzuführen war. Es fehlt dazu einfach der Beweis in wissenschaftlichen Studien.

Senegal schließt Grenzen

Mittlerweile hat auch der Senegal wegen der Ebola-Epidemie am Donnerstag seine Grenzen zu dem stark betroffenen Nachbarstaat Guinea geschlossen. Wie das Innenministerium mitteilte, gilt die Maßnahme für die Landesgrenze sowie für Flugzeuge und Schiffe aus der Republik Guinea, Sierra Leone und Liberia. Zuvor hatte bereits Südafrika seine Grenzen für Reisende aus den drei Ländern geschlossen.

Unbekannte Bedrohung

In der Demokratischen Republik Kongo sind seit dem 11. August 13 Menschen an den Folgen eines hämorrhagischen Fiebers "unbekannter Herkunft" gestorben. Das teilte das Gesundheitsministerium des Landes in der Nacht auf Freitag in Kinshasa mit. Die Patienten litten demnach an dem Fieber, an Durchfall und Erbrechen. Im Endstadium hätten sie Schwarzes erbrochen.

(Quellen: APA, Reuters, dpa, AFP, UN, WHO)