Neu-Delhi/Islamabad. Nach heftigem Monsunregen kämpfen Indien und Pakistan gegen Überschwemmungen, allein in den vergangenen Tagen starben mehr als 350 Menschen. Große Teile der indischen Millionenstadt Srinagar standen unter Wasser. Soldaten und andere Helfer versuchten am Montag, mit Booten und per Helikopter zu den Menschen in beiden Ländern vorzudringen.

Die Betroffenen harrten in höher gelegenen Stockwerken oder auf Dächern aus. Viele hatten weder Strom noch frisches Wasser, auch Telefonleitungen und Handynetze waren zusammengebrochen.

Soldaten und Katastrophenhelfer brachten nach eigenen Angaben 28.000 Menschen im nordindischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir in Sicherheit. Das Verteidigungsministerium erklärte, 4.000 Decken, 90 Zelte und 23.000 Liter Trinkwasser seien verteilt worden.

Auch in Pakistan holte die Armee Tausende Menschen aus den Gefahrengebieten und brachte per Hubschrauber Nahrungsmittel und Medikamente zu den Eingeschlossenen. Einstürzende Häuser und Erdrutsche rissen in Pakistan mindestens 200 Menschen in den Tod. Die Opferzahl könne noch weitaus höher liegen, sagte Reema Zubari von der nationalen Katastrophenhilfe in Islamabad. In Indien starben bisher mindestens 150 Menschen.

Pakistan könnte das Schlimmste noch bevorstehen

Pakistan könnte das Schlimmste noch bevorstehen, da die Wassermassen aus Indien ins Nachbarland abfließen. Im von Pakistan verwalteten Teil Kaschmirs, der Gilgit-Baltistan-Region sowie dem pakistanischen Punjab stehen schon viele Landstriche unter Wasser. Die Flüsse Chenab und Jhelum sind über die Ufer getreten und haben allein in Punjab mehr als 10.000 Hektar Ackerland überflutet.

Besonders dramatisch war die Lage auch im indischen Srinagar, wo 1,2 Millionen Menschen leben. Große Teile der Stadt im Kaschmir-Tal glichen einem schlammig braunen See, aus dem nur noch die Hausdächer emporragten. Nach Angaben des Senders NDTV standen alle Krankenhäuser Srinagars unter Wasser. In einigen Gebieten habe das Wasser vier Meter hoch gestanden, sagte Generalleutnant Subrata Saha dem indischen Sender CNN-IBN. Ein Mann, der in der Nacht seine Hochzeit feiern wollte, sagte NDTV: "Alles ist verloren. Alles, was wir hatten, ist untergegangen. Wir haben nichts mehr."

Vielerorts in Indien ist die Lage unklar, weil wegen der gekappten Kommunikationsleitungen kaum noch Informationen aus Kaschmir nach außen dringen. Lokale Medien sprechen von den schlimmsten Überflutungen seit 60 Jahren. Premierminister Narendra Modi nannte es eine "nationale Katastrophe".

Im indischen Bundesstaat Bihar wurde laut Medien erneut eine Flutwarnung herausgegeben. Ein vor einem Monat in Nepal aufgestauter Himalaya-Fluss werde nun abgelassen, berichtete die Zeitung "Hindustan Times". In vielen Gebieten Indiens sinken die Pegelstände mittlerweile allerdings langsam.