- © ap/Mel Evans
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Baltimore/Washington. (art) Die Bilder sind verschwommen, aber erschreckend genug - und sie haben die Debatte um häusliche Gewalt in den USA erneut angefacht. Wenige Tage bevor die Vereinigten Staaten den 20. Jahrestag des Violence against Women Act, des Gesetzes zum Schutz von Frauen, begehen, veröffentlichte das Klatschportal www.tmz.com das Video eines Vorfalls vom Februar, bei dem ein Mann eine Frau in einem Aufzug bewusstlos schlägt und deren Körper danach über den Boden schleift. Die Aufregung ist groß, handelt es sich doch bei dem Mann um Ray Rice, Football- oder besser Ex-Football-Spieler der Baltimore Ravens. Der Verein hat den Running Back unmittelbar nach Auftauchen des Videos entlassen, die Football-Liga NFL bis auf Weiteres eine Suspendierung ausgesprochen, auch Präsident Barack Obama hat seiner Erschütterung über den Vorfall Ausdruck verliehen. Häusliche Gewalt sei "verachtenswert" und "inakzeptabel in einer zivilisierten Gesellschaft", verlautete das Weiße Haus. Eine Frau zu schlagen, sei etwas, "das ein richtiger Mann nicht tut, egal, ob es vor den Augen der Öffentlichkeit oder, viel zu oft, hinter verschlossenen Türen geschieht".

Doch auch in diesem Fall ist zweifelhaft, ob er irgendwann in dem Ausmaß diskutiert worden wäre, wäre nicht dieses Video aufgetaucht. Sowohl NFL als auch die Ravens hatten von dem Vorfall schon im Frühjahr erfahren, aus Polizeiquellen geht klar hervor, dass Rice seine damalige Verlobte - und nunmehrige Ehefrau - bewusstlos geprügelt hatte. Die Anklage auf schwere Körperverletzung wurde allerdings fallen gelassen, Rice lediglich die Auflage erteilt, sich einer Therapie zu unterziehen.

Die Liga hatte es bei einer Sperre von zwei Spielen belassen, der Klub dem Spieler den Rücken gestärkt, weswegen man sich nun harter Kritik ausgesetzt sieht. "Wir haben das Video jetzt zum ersten Mal gesehen. Das hat die Dinge verändert", versuchte sich Coach John Harbaugh zu erklären. Doch für viele kommen die nunmehrigen Konsequenzen zu spät; in den sozialen Netzwerken gehen die Wogen hoch, Kommentatoren fordern den Rücktritt von NFL-Commissioner Roger Goodell. "Als Mann bin ich angewidert", meint etwa Ex-NFL-Profi Shaun O’Hara. "Und als früherer NFL-Spieler schäme ich mich dafür, wie die Liga den Fall behandelt hat. Jämmerlich." Indessen hat sich auch Janet Rice an die Öffentlichkeit gewandt: Sie gibt den Medien die Schuld, dass ihrem Mann alles weggenommen worden sei, "wofür er sich den Arsch aufgerissen hat". Es gibt offenbar noch reichlich Diskussionsbedarf zu diesem Thema - auch 20 Jahre nach der Unterschrift unter den Violence against Women Act.