Vatikanstadt. Zum ersten Mal ist im Vatikan ein Bischof wegen pädophiler Straftaten verhaftet worden. Die Festnahme des verdächtigen früheren päpstlichen Spitzendiplomaten Jozef Weselowski, die nach Vatikan-Angaben auf Ersuchen von Papst Franziskus erfolgte, sorgt international für Aufregung. Dem früheren polnischen Erzbischof, der bereits im Juni aus dem Klerus ausgeschlossen worden war, soll wegen des sexuellen Missbrauchs von sieben Kindern der Prozess gemacht werden. Wesolowski ist der erste hochrangige Kirchenvertreter, der sich in einem Strafverfahren wegen Missbrauchsvorwürfen vor einem vatikanischen Gericht verantworten muss. Dem Polen drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit sei der 65-Jährige in einer Residenz im Vatikan untergebracht. Er wird vom Personal der vatikanischen Gendarmerie bewacht, hieß es im Vatikan. Wesolowski war am Dienstag von der Gendarmerie im Vatikan festgenommen worden.

Papst Franziskus hatte Weselowski, der mehr als fünf Jahre ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls in Santo Domingo war, im August 2013 wegen des Pädophilie-Verdachts entlassen. Lokalen Medienberichten zufolge hatte der Diplomat käuflichen Sex mit Buben. Die Kongregation für Glaubenslehre hat den Geistlichen Ende Juni aus dem Priesterstand ausgeschlossen.

Im Juli hatte Franziskus erstmals Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche getroffen und sie dabei um Vergebung "für diese Sünden und schweren Verbrechen" gebeten. Die Missbrauchsfälle haben die katholische Kirche heftig erschüttert und ihrem Ansehen massiv geschadet. Schon unter Franziskus’ Vorgänger Benedikt XVI. waren hunderte Geistliche deswegen ihrer Priesterämter enthoben worden. Der Kirche wurde jedoch wiederholt vorgeworfen, Kindesmissbrauch nicht ausreichend zu bekämpfen und die Täter nicht strafrechtlich zu verfolgen.