Washington/Wien. (vee) Nach dem Attentat auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in der Vorwoche, bei der 12 Menschen ums Leben kamen, prangerten Medien weltweit den Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit an. Viele räumten gar ihre Titelseiten frei, um Karikaturen von "Charlie Hebdo" abzudrucken. Gleichzeitig fiel auf, dass angelsächsische Medien davon Abstand hielten. Viele verpixelten die Bilder in ihrer Berichterstattung - oder wählten Bildausschnitte, die die Karikaturen nicht zeigten.

CNN etwa verpixelte in seiner Liveberichterstattung die Zeichnungen. In einem internen Rundmail des US-Senders, vom Online-Magazin "Politico" veröffentlicht, wurde dazu aufgerufen, "Nahaufnahmen zu meiden, die die Karikaturen klar lesbar zeigen". Begründet wurde dies von CNNs "Senior Editorial Director" Richard Griffiths damit, dass die Bilder von vielen Muslimen als anstößig verstanden werden könnten.

Der britische "Telegraph" wiederum veröffentlichte ein Foto von einer Frau, die ein "Charlie Hebdo"-Magazin liest - auf dem der Großteil des Magazin-Covers verschwommen ist.

Auch die "New York Times" zählt zu den Medien, die auf eine Veröffentlichung verzichteten. Das US-Blatt teilte mit, es veröffentliche kein Material, das "bewusst gegen religiöse Sensibilitäten verstoßen will". Auch die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press und TV-Sender wie ABC übten sich in Zurückhaltung. Für die "Washington Post" erklärte Chefredakteur Martin Baron, sein Blatt nehme Abstand von Material, das "demonstrativ, absichtlich oder unnötigerweise Mitglieder religiöser Gruppen beleidigt".

Die europäischen Aufrufe, die Karikaturen nachzudrucken, haben in den USA mittlerweile eine große Debatte ausgelöst. Neben einer Reihe von US-Journalisten kritisierte das Fachmagazin "Columbia Journalism Review" die Zurückhaltung der US-Medien. Gegner der Weiterverbreitung argumentierten, es gebe einen Unterschied zwischen dem Eintreten für Pressefreiheit und dem Verbreiten von Karikaturen. Zudem würde eine Weiterverbreitung "das Narrativ mancher Terroristen" fördern, sie seien "Kämpfer für den Islam".

Dem Journalisten Glenn Greenwald zufolge, der bekannt ist durch seine Geheimdienstenthüllungen gemeinsam mit dem Whistleblower Edward Snowden, spricht gegen das Nachdrucken, dass die Karikaturen "beleidigend und bigott" seien. Wäre ein Rassist oder Antisemit wegen seiner Publikationen ermordet worden, gäbe es keine Aufrufe, "diesen Müll aus Solidarität mit der Redefreiheit zu publizieren", schrieb Greenwald auf der Internetseite "firstlook.org".