N'Djamena/Abuja. Die vor allem in Nigeria aktive Islamistengruppe Boko Haram hat zum ersten Mal bei einem Angriff im Tschad Menschen getötet. In der Nacht auf Freitag hätten rund 30 Boko-Haram-Milizionäre das Dorf Ngouboua am Ufer des Tschad-Sees überfallen, berichteten Anrainer und Sicherheitskreise.

Die Angreifer seien mit drei Kanus vom See her gekommen und hätten rund zehn Menschen getötet, bevor sie von der Armee vertrieben worden seien, sagte ein Bewohner des Dorfes. Der See grenzt an den Nordosten Nigerias, wo Boko Haram einen radikalislamischen Staat errichten will.

Tausende auch in Niger auf der Flucht

Aus Angst vor Angriffen von Boko Haram sind auch in Niger Tausende Einwohner der Stadt Diffa auf der Flucht. Auch Niger grenzt an den Tschad-See und hat gemeinsame Grenzen mit Nigeria und dem Tschad. Die eigentlich in Nigeria agierende Miliz hat in den vergangenen Tagen ihre Überfälle und Selbstmordattentate im Grenzgebiet massiv ausgeweitet. Durch die Gewalttaten der Boko-Haram-Kämpfer im Nordosten Nigerias sind Tausende Menschen ums Leben gekommen - allein im vergangenen Jahr mindestens 10.000.

Miliz attackiert auch zwei Dörfer im Nordosten Nigerias

Bei zwei Angriffen der Islamistengruppe Boko Haram im Nordosten Nigerias sind mindestens 21 Menschen getötet worden. Kämpfer der Miliz hätten die Orte Akida und Mbuta im Bundesstaat Borno attackiert und dabei insgesamt 21 Dorfbewohner getötet, sagten ein örtlicher Behördenvertreter und ein Zeuge am Freitag. Die Angriffe ereigneten sich Donnerstag früh, die Boko Haram-Kämpfer hätten auch Häuser und Geschäfte zerstört.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13.000 Menschen. Nachdem die Islamisten wiederholt ins benachbarte Kamerun eingedrungen waren, formierte sich eine internationale Koalition gegen die Extremistengruppe. Neben Nigeria entsandten Kamerun, Niger und Tschad Truppen für den Kampf gegen Boko Haram.