Kampala. Es ist ein gewagtes Unterfangen, ausgerechnet in Uganda ein Schwulen- und Lesbenmagazin auf den Markt zu bringen. Das weiß die Herausgeberin Jacqueline Kasha. Dennoch tut sie es. "Wir wollen damit alle in der Gesellschaft ansprechen, die uns diskriminieren, uns verurteilen und uns beschimpfen", sagt die 34-Jährige.

Jacqueline Kasha (Mitte) erhebt sich für die Rechte Homosexueller. - © S. Schlindwein
Jacqueline Kasha (Mitte) erhebt sich für die Rechte Homosexueller. - © S. Schlindwein

Das Magazin mit dem Titel "Bombastic" kommt in knallbunten Farben und Glitter daher. Auf 75 Seiten erzählen Kasha und ihre Mitstreiter ihre Lebensgeschichten. "Wir wollen Politiker, Glaubensvertreter und unsere Leute ansprechen, vor allem all diese Leute, die wir persönlich und direkt gar nicht erreichen können", sagt Kasha.

Auch von den Medien Ugandas fühlt sie sich im Stich gelassen oder schikaniert, weil diese nicht neutral berichten würden. Einige Medien hetzen regelrecht gegen Homosexuelle. Diesen Vorurteilen will sie jetzt mit "Bombastic" entgegentreten: "Wir hoffen, unsere Geschichten mitteilen zu können, sodass sie uns besser verstehen, bevor sie mit Steinen nach uns werfen."

Das kleine Land im Osten Afrikas ist bekannt für seine strikten Gesetze gegen Schwule und Lesben. Homosexualität ist in Ugandas Strafrecht seit der Kolonialzeit illegal. 2009 wurde in Ugandas Parlament ein weltweit umstrittenes Gesetz eingereicht, das die Strafen verschärft. Verfasst vom erzkonservativen Abgeordneten David Bahati, der den einflussreichen evangelikalen Kreisen nahesteht, sah es in der ersten Version sogar die Todesstrafe vor. Später wurde es abgeschwächt auf lebenslängliche Haftstrafen. Im Dezember 2013 wurde es vom Parlament verabschiedet. Mit Präsident Yoweri Musevenis Unterschrift trat es im Februar 2014 in Kraft.

Doch dann wurde es im August von Ugandas Verfassungsgericht gekippt. Der Grund: Im Parlament seien nicht genügend Abgeordnete anwesend gewesen. Abgeordneter Bahati hatte angekündigt, ein neues Gesetz zu schreiben. Doch bislang liegt es noch nicht im Parlament vor.

Jetzt nutzen die Aktivisten um Kasha die Gelegenheit für eine Gegenkampagne: 15.000 Ausgeben haben sie von "Bombastic" gedruckt und kostenlos im ganzen Land verteilt. Mit Hilfe von weltweitem Crowdfunding via Internet haben sie so viel Geld zusammenbekommen, dass es für die erste Auflage reichte. Jetzt sucht Kasha nach festen Geldgebern für die Zukunft.

Der Minister droht
Kasha mit Gefängnis


Ein solches Magazin auf den Markt zu bringen, ist in Uganda nicht ungefährlich, berichtet Kasha. Sie und ihre sieben Mitstreiter hatten zwar über Freunde eine Druckerei gefunden. Doch diese wollte mehr Geld haben als gewohnt, weil die Betreiber Angst hatten, dass sie mit dem Auftrag ihre Existenz riskieren. Nachbarn der Druckerei hätten die Aktivisten beleidigt, sobald sie dort auftauchten, berichtet Kasha. Auch der Vertrieb war nicht ohne: "Die Leute sagen so viele gemeine Dinge, drohen uns, wollen uns schlagen."

Hat Kasha keine Furcht vor der Regierung? Sie winkt ab. "Wir erwarten nicht, dass die Regierung uns Probleme macht. Wir tun ja nichts Kriminelles, wenn wir wichtige Informationen in der Gesellschaft verbreiten, die falsch informiert ist, solange wir uns an die Gesetze und Regeln halten", sagt sie. Eigenhändig hat sie Ausgaben von "Bombastic" im Parlament und in den Ministerien verteilt. Ethikminister Simon Lokodo fand das gar nicht lustig. Er warnt, Kasha könne verhaftet werden, weil das Magazin Homosexualität fördere - das ist laut Gesetz verboten.

Bestrafung Homosexueller

Die Verfolgung Homosexueller in Uganda wirkt sich auch auf die Nachbarländer aus: So sind laut Medienberichten bereits zahlreiche Schwule und Lesben nach Kenia geflohen. Dort sind zwar homosexuelle Handlungen zwischen Männern strafbar (nicht zwischen Frauen) und Homosexuelle werden auch im Alltag diskriminiert, doch wurden sie strafrechtlich kaum verfolgt. Aber nun wollen auch in Kenia Politiker die Daumenschrauben anziehen - Uganda dient als Vorbild.

Und überhaupt ist Afrika ein Kontinent, der es Homosexuellen nicht leicht macht. In etwa 35 der 54 afrikanischen Staaten wird Homosexualität verfolgt, wobei sich die Verfolgung Homosexueller im Gesetzestext oft hinter Begriffen wie "Sodomie" verbirgt.

Es gibt aber auch Ausnahmen: So erlaubte Südafrika als eines der ersten Länder weltweit die gleichgeschlechtlicher Ehe.

Vielerorts droht Homosexuellen aber Gefängnis - oder gar die Todesstrafe, wie im Sudan, in Mauretanien und in Teilen Nigerias. Auch in Asien sind Homosexuelle - hier vor allem im Nahen Osten - mit der Todesstrafe bedroht. Und zwar in Saudi-Arabien, im Iran, im Jemen und in Brunei. In den westlichen Industrieländern wiederum sind homosexuelle Handlungen straffrei.