Washington. (wak) Im Jahr 2006, im Alter von 73 Jahren, wurde Willie Nelson kurz verhaftet. Denn Polizisten in Louisiana hatten im Zuge einer Verkehrskontrolle in seinem Tourbus 600 Gramm Marihuana und 85 Gramm halluzinogener Schwammerl gefunden. Wäre Nelson alleine im Tourbus gewesen, hätte er sich auf ein Gerichtsverfahren einstellen müssen, allerdings waren vier weitere Personen mit im Bus - die sich jeweils für den Besitz eines Teils des großen Ganzen bekannten. So kamen alle fünf mit einer Verwarnung davon.

2010 wiederholte sich der Vorfall. Diesmal wurde er in Texas verhaftet und kam gegen die Zahlung einer Geldstrafe frei - es handelte sich nur um eine kleine Menge Cannabis. Der Staatsanwalt witzelte damals, Nelson könnte auch seinen Hit "Blue Eyes Crying in the Rain" für seine Freilassung singen. Das ist allerdings nicht der einzige Hit aus dem Repertoire des mittlerweile 81-jährigen. Der Schöpfer von Hits wie "Always on my mind", und "On the Road again" spielte allein in diesem Jahr bereits bei den Grammys, im Weißen Haus und bei seinem eigenen Musikfestival "Heartbreaker Banquet", das vor einer Woche zum vierten Mal stattgefunden hatte.

Aus diesem Anlass plauderte der rüstige Musiker mit einem Vaporizer (Verdampfer) in der Hand, über dessen Inhalt nur gemutmaßt werden kann, mit einem Journalisten von "The Daily Beast". Nelson wollte sich zwischen den Zügen nicht so sehr über sein Festival unterhalten, sondern darüber, dass er selbst eine neue Mariahuana-Sorte züchten und verkaufen will. Das Premium-Produkt soll "Willie’s Reserve" heißen. Aber nicht nur das Gras an und für sich ist in Arbeit, sondern auch Gerätschaften zur Konsumation, also Vaporizer und Bongs, sollen unter diesem Markennamen erscheinen. Und: Das Ganze soll nicht in x-beliebigen Coffeeshops vertrieben werden, sondern in eigenen Marken-Shops.

Cannabis für Connaisseure


Dass es sich dabei nicht nur um rauchgeschwängerten Smalltalk vor einem Bühnenauftritt handelt, zeigt die Tatsache, dass Nelson bereits Business-Partner an Land gezogen hat: Michael Bowman, ein bekannter Lobbyist für die Freigabe von Marihuana, erklärt, dass "Willie’s Reserve" so etwas wie Cannabis für Connaisseure sein soll, weg von der illegalen Substanz hin zu dem Reich für Rauch-Feinspitze.

Nelsons Coffee-Shops sollen im nächsten Kalenderjahr in jenen US-Bundesstaaten entstehen, in denen Cannabis legalisiert worden ist, also etwa Colorado, Washington, Alaska. Es soll nicht nur Nelsons eigenes Kraut verkauft werden, sondern auch die Produkte von Züchtern, "die unseren Qualitätsansprüchen entsprechen", meint Bowman. "Sagen wir einfach, es wird das Anti-Walmart-Modell sein."